Schufa: Zwischen Transparenzversprechen und intransparenten Geschäftsmodellen
Die Schufa und ihr Einfluss
Die Schufa ist die zentrale Auskunftei in Deutschland und verfügt über Daten von mehr als 68 Millionen Verbrauchern. Ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit entscheiden maßgeblich über die Konditionen, zu denen Menschen Verträge abschließen können – sei es für einen Handyvertrag, eine Kreditkarte oder den Kauf eines Hauses. Aufgrund ihrer Marktmacht steht die Schufa regelmäßig in der Kritik, insbesondere wegen mangelnder Transparenz ihrer Bewertungsmethoden.
Das Transparenzversprechen und seine Grenzen
Im März dieses Jahres stellte die Schufa einen neuen Score vor, der als „weltweit erster, vollkommen transparenter Score“ beworben wurde. Statt der bisherigen, oft als intransparent kritisierten Branchenscores sollte es künftig nur noch einen einzigen Score geben. Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig lobte die Initiative als „Meilenstein“ für mehr Transparenz. Doch Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung zeigen, dass die Realität hinter diesem Versprechen zurückbleibt.
Geheime Scores und neue Geschäftsmodelle
Die Schufa hat parallel zum neuen Score weitere, nicht öffentlich kommunizierte Bewertungsmodelle entwickelt. Besonders problematisch ist der sogenannte Hypotheken-Score, der bereits seit Sommer 2025 Banken und Sparkassen angeboten wird. Wie dieser Score funktioniert, bleibt Verbrauchern verborgen. Die Schufa argumentiert, sie werde den Score erst erklären, wenn er „am Markt für Immobilienkredite relevant“ sei. Experten wie Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband kritisieren, dass Verbraucher so keine Möglichkeit haben, ihre Bewertung nachzuvollziehen oder zu optimieren.
Zusätzliche Daten und ausgelagerte Scores
Neben dem Hypotheken-Score bietet die Schufa ihren Unternehmenskunden zusätzliche Daten aus einem Pool von 40 Kriterien an. Diese Daten, die nicht im offiziellen Score enthalten sind, ermöglichen es Banken und Versicherungen, eigene Bewertungen der Zahlungsfähigkeit vorzunehmen. Verbraucher erfahren jedoch nicht, welche Daten genutzt wurden oder wie ihre Bewertung zustande kam. Zudem hat die Schufa begonnen, die Berechnung von Scores an ihre Kunden auszulagern. Rechtlich ist sie dann nicht mehr verpflichtet, Auskunft über die verwendeten Daten zu geben. Datenschutzexperten wie Matthias Spielkamp von AlgorithmWatch sehen darin einen „perfiden“ Versuch, sich der Transparenzpflicht zu entziehen.
Reaktion der Schufa und offene Fragen
Auf die Vorwürfe reagierte die Schufa mit dem Hinweis, sie habe nie behauptet, es werde künftig nur noch einen Score geben. Tatsächlich bezog sich das Versprechen lediglich auf die Abschaffung von sechs Branchenscores. Andere Scores, wie der Hypotheken-Score, seien nie Teil dieser Zusage gewesen. Diese Argumentation wirft jedoch Fragen auf: Warum wurden diese Scores nicht öffentlich kommuniziert? Und warum bleibt unklar, wann und wie Verbraucher über die neuen Bewertungsmodelle informiert werden? Die Übergangsphase bis Ende 2028 lässt Raum für Spekulationen, ob die Schufa ihr Transparenzversprechen tatsächlich einhalten wird.