Steinmeier in China: Selbstbewusstsein und Warnungen
Appell an die Wirtschaft
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier befindet sich auf seiner Abschiedsreise in China. Am ersten Tag appelliert er an die deutsche Wirtschaft, selbstbewusst auf dem chinesischen Markt aufzutreten. Er begründet dies damit, dass Deutschland und die deutsche Technologie in China nach wie vor sehr wertgeschätzt werden. Deshalb könnten die Unternehmen selbstbewusst auf den Märkten agieren. Steinmeier bringt bewusst keine Unternehmen in seiner Delegation mit. Der Fokus der Reise liegt stattdessen auf Kultur und Wissenschaft. Dies sendet ein kleines diplomatisches Signal an die chinesischen Gastgeber. Steinmeier sagt dies vor der Presse in Hefei.
Besuch bei Volkswagen
In Hefei, der Hauptstadt der Provinz Anhui, besucht Steinmeier die Volkswagen China Technology Company. Vor rund drei Jahren eröffnete der größte europäische Autobauer dort ein Forschungszentrum für Elektromobilität. Heute arbeiten dort 3000 Beschäftigte an der Entwicklung neuer Modelle von Elektro- und Hybridautos. Diese werden in Rekordtempo entwickelt. Durch die Kooperation mit chinesischen Partnern kann Volkswagen als erster europäischer Konzern die gesamte Wertschöpfungskette bei E-Autos abdecken. Der Geschäftsführer Ralf Brandstätter erklärt die Vorteile: Die Entwicklung neuer Modelle erfolgt hier in einer um 30 Prozent kürzerer Zeit und bis zu 40 Prozent kostengünstiger als in Deutschland. Für Volkswagen ist der Standort Hefei auch ein Labor, um zu testen, wie man auf dem derzeit härtesten Automarkt der Welt nachhaltig bestehen kann. Ein Mitarbeiter sagt, dass manches, was hier funktioniert, auch in Wolfsburg eingeführt wird.
Sorge um Abhängigkeiten und Handel
Der CDU-Politiker Johannes Volkmann, der den Bundespräsidenten auf der China-Reise begleitet, mahnt, die deutsche Wirtschaft dürfe die Innovationsführerschaft nicht verlieren. Er betont, man müsse mehr für die Wettbewerbsbedingungen in Deutschland tun. Deutschland müsse aufpassen, dass es keine neuen Abhängigkeiten aufbaue, indem Innovation und Wertschöpfung nur außerhalb Europas stattfinden. Zudem machen sich Deutschland und Europa Sorgen über das wachsende Handelsdefizit mit China. Die Importe von Gütern und Dienstleistungen aus China in die EU waren 2025 mehr als doppelt so hoch wie europäische Exporte dahin. Im ersten Halbjahr 2026 betrug das Handelsdefizit laut EU-Handelskommissar Maros Sefcovic fast 197 Milliarden Euro. Beim letzten EU-Gipfel forderten die Staats- und Regierungschefs die EU-Kommission auf, neue Instrumente gegen Ungleichgewichte und unfairen Wettbewerb zu entwickeln. Steinmeier will die wirtschaftlichen Beziehungen diversifizieren und die Abhängigkeiten verringern.