Trump und Xi: Symbolpolitik statt substantieller Fortschritte
Ein Empfang mit Signalwirkung
Der Empfang des chinesischen Staatschefs Xi Jinping durch US-Präsident Donald Trump auf der Andrews Air Force Base markierte eine Abkehr von diplomatischen Gepflogenheiten. Üblicherweise werden Staatsgäste im Weißen Haus begrüßt, doch Trumps Entscheidung für den Militärflughafen unterstreicht die Bedeutung, die er der persönlichen Beziehung zu Xi beimisst. Nach bilateralen Gesprächen präsentierte Trump seinem Gast Bauprojekte und ermöglichte ihm einen Rundflug im Präsidentenhubschrauber "Marine One".
Rhetorik ohne greifbare Ergebnisse
Trump bezeichnete die Gespräche als "großartig" und betonte die gute Verständigung mit Xi. Doch hinter dieser positiven Rhetorik blieben konkrete Ergebnisse aus. Themen wie Handelsabkommen oder die Zusammenarbeit im Bereich künstlicher Intelligenz wurden nicht substantiell vorangetrieben. Experten, darunter Aurelio Insisa vom Mercator-Institut für Chinastudien, bewerten Trumps "persönliche Diplomatie" als einseitiges Konstrukt ohne fundierte Grundlage. Die Verlängerung einer "Feuerpause" im Handelskrieg bis Januar 2027 bietet lediglich einen zeitlichen Aufschub, ohne strukturelle Lösungen zu schaffen.
Oberflächliche Diplomatie und strategische Zurückhaltung
China setzt auf eine Strategie der positiven, aber oberflächlichen Diplomatie. Während Xi von einer Win-Win-Situation sprach, vermied Peking konkrete Zugeständnisse. Melanie Hart vom Atlantic Council wies darauf hin, dass selbst erwartete Zollsenkungen nicht umgesetzt wurden. Die chinesische Führung sieht eine Zeitenwende in der globalen Ordnung und nutzt Gipfeltreffen, um die USA in Gesprächen zu halten, ohne verbindliche Verpflichtungen einzugehen. Dies spiegelt Pekings langfristige Strategie wider, die auf eine Schwächung der von den USA dominierten Weltordnung abzielt.
Technologische Rivalität und mangelndes Vertrauen
Im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) blieben die Gespräche ebenfalls vage. Ein angekündigter "KI-Dialog" zwischen den USA und China steht unter dem Vorzeichen eines tiefen Misstrauens. Trump betrachtet die KI-Entwicklung als ein Wettrennen, bei dem der Sieger alles dominiert. Experten wie Antonia Hmaidi vom MERICS betonen, dass unterschiedliche Regulierungsansätze und mangelnde Transparenz eine echte Zusammenarbeit erschweren. Ohne vertrauensbildende Maßnahmen bleiben gemeinsame Initiativen unwahrscheinlich. Das nächste Treffen im November wird voraussichtlich erneut von symbolischer Diplomatie geprägt sein, ohne dass substantielle Fortschritte zu erwarten sind.