Venezuela und die USA: Ein umstrittenes Öl-Abkommen mit ungewissen Folgen
Ein Deal mit weitreichenden Konsequenzen
Das jüngst geschlossene Abkommen zwischen Venezuela und den USA, in dem Venezuela etwa ein Fünftel seiner Ölvorkommen unter die Kontrolle der USA stellt, wirft zahlreiche Fragen auf. Die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez verspricht zwar langfristige Vorteile wie Arbeitsplätze, Infrastrukturinvestitionen und höhere Staatseinnahmen, doch die genauen Bedingungen des Deals bleiben im Dunkeln. Kritiker bemängeln, dass das Abkommen nicht öffentlich zugänglich ist und wichtige Details fehlen.
Widersprüche und rechtliche Bedenken
Die Aussagen der beteiligten Parteien widersprechen sich in zentralen Punkten. Während Rodríguez betont, dass Venezuela das Eigentumsrecht und die Souveränität über seine Ressourcen behält, behauptet die US-Regierung unter Donald Trump, dass die venezolanischen Ölreserven die US-amerikanischen Reserven aufstocken werden. Auch die Dauer des Abkommens ist umstritten: Trump spricht von 100 Jahren, Rodríguez hingegen von 25 Jahren. Der venezolanische Ökonom Manuel Sutherland bezeichnet die Aussagen als politische Stellungnahmen ohne solide technische Grundlage.
Rechtliche Bedenken äußert auch der ehemalige venezolanische Planungsminister Ricardo Hausmann. Er bezweifelt, dass Rodríguez die verfassungsmäßige Befugnis besitzt, ein solches Abkommen zu schließen. Zudem fehle ihr die demokratische Legitimität, was die Rechtmäßigkeit des Deals infrage stellt.
Wirtschaftliche und humanitäre Krise als Hintergrund
Die Skepsis der venezolanischen Bevölkerung ist vor dem Hintergrund der anhaltenden wirtschaftlichen und humanitären Krise verständlich. Trotz enormer Öleinnahmen zwischen 1999 und 2015 verschärfte sich die Armut im Land. Die Regierung konnte die Einnahmen nicht zum Wohl der Bevölkerung nutzen, was zu tiefem Misstrauen führt. Das verheerende Erdbeben im Juni 2026 hat die Lage weiter verschlimmert, und die Wut auf die Regierung wächst.
Politische Motive und strategische Überlegungen
Der Politikwissenschaftler Jesús Renzullo vom GIGA-Institut in Hamburg sieht in dem Abkommen eine strategische Maßnahme der venezolanischen Regierung, um sich an der Macht zu halten. Durch die versprochenen wirtschaftlichen Verbesserungen könnte die Regierung bei zukünftigen Wahlen punkten. Gleichzeitig sichert sie sich das Wohlwollen der US-Regierung, insbesondere unter Donald Trump. Renzullo geht jedoch davon aus, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis die versprochenen Investitionen ihre volle Wirkung entfalten.
Langfristig könnte die Regierung darauf spekulieren, dass eine mögliche demokratische US-Regierung weniger Druck auf Venezuela ausübt. Dies würde ihr ermöglichen, ihre Machtposition wieder auszubauen. Bis dahin bleibt das Abkommen ein umstrittenes Instrument im politischen Machtkampf Venezuelas.