Die Diskrepanz zwischen marktliberaler Programmatik der AfD und ihrer Beliebtheit bei Arbeitern
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Die Diskrepanz zwischen marktliberaler Programmatik der AfD und ihrer Beliebtheit bei Arbeitern

Marktliberalismus der AfD: Eine detaillierte Analyse

Die Alternative für Deutschland (AfD) wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft als Partei wahrgenommen, die sich für die Interessen der Arbeiter einsetzt. Eine Studie der Universität Tübingen im Auftrag des NDR-Magazins Panorama zeigt jedoch, dass die wirtschafts- und sozialpolitischen Positionen der AfD stark marktliberal ausgerichtet sind. Der Politikwissenschaftler Floris Biskamp analysierte das Grundsatzprogramm sowie sämtliche Bundestags- und Europawahlprogramme der AfD seit 2013. Die Ergebnisse zeigen, dass die AfD mit 92 Prozent marktliberaler Positionen zwischen Union (79 Prozent) und FDP (100 Prozent) einzuordnen ist.

Arbeiter als Zielgruppe: Strategie statt Substanz

Trotz dieser marktliberalen Ausrichtung ist die AfD bei Arbeitern besonders erfolgreich. Bei der Bundestagswahl 2025 wählten zwischen 30 und 38 Prozent der Arbeiter die AfD. Dies wirft die Frage auf, warum eine Partei, deren Politik tendenziell die Interessen von Unternehmen und Wohlhabenden vertritt, bei Arbeitern so beliebt ist. Biskamp erklärt, dass die AfD gezielt die Gruppe der Arbeiter anspricht, obwohl ihre Programmatik dies nicht widerspiegelt. Bereits 2016 identifizierte die AfD in einem internen Strategiepapier Arbeiter und Arbeitslose als wichtige Zielgruppen. Die Partei versucht, ihr negatives Image in der gehobenen Mittelschicht durch Erfolge bei Arbeitern auszugleichen.

Die Rolle von Identitätspolitik und kulturellen Narrativen

Die Studie zeigt, dass wirtschaftliche Interessen nicht der einzige Faktor für die Wahlentscheidung sind. Biskamp verweist darauf, dass der klassische Verteilungskonflikt zwischen "oben und unten" an Bedeutung verloren hat. Stattdessen bietet die AfD eine alternative Deutung sozialer Probleme an: Der Konflikt wird nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen "innen und außen" verortet. AfD-Politiker René Springer betont, dass die soziale Frage des 21. Jahrhunderts nicht mehr die Umverteilung von Vermögen, sondern der Schutz vor Migration und Globalisierung sei. Diese Narrative sprechen viele Arbeiter an, die sich von traditionellen Parteien wie der SPD nicht mehr vertreten fühlen.

Wirtschaftspolitische Folgen für Arbeiter

Die wirtschaftspolitischen Vorschläge der AfD würden laut einer Analyse des ZEW Mannheim überproportional Menschen mit hohen Einkommen und Vermögen zugutekommen. AfD-Sozialpolitiker René Springer argumentiert zwar, dass indirekte Abgaben wie die CO2-Bepreisung in solchen Berechnungen oft unberücksichtigt bleiben. Doch auch deren Abschaffung würde vor allem Wohlhabenden nützen, da diese im Schnitt mehr CO2 verbrauchen. Die Diskrepanz zwischen der marktliberalen Politik der AfD und ihrer Beliebtheit bei Arbeitern zeigt, dass kulturelle und identitätspolitische Themen für viele Wähler eine größere Rolle spielen als konkrete wirtschaftspolitische Versprechen.

Fazit: Sozialpolitik allein reicht nicht aus

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass andere Parteien im Wettbewerb mit der AfD nicht allein auf sozialpolitische Angebote setzen sollten. Vielmehr müsse der Staat und insbesondere der Wohlfahrtsstaat wieder als Institution wahrgenommen werden, die zur Verbesserung der Lebensbedingungen beiträgt. Diese Wahrnehmung hat in den letzten Jahrzehnten gelitten, was der AfD in die Hände spielt. Um Arbeiter zurückzugewinnen, müssen Parteien nicht nur wirtschaftliche Lösungen anbieten, sondern auch kulturelle und identitätspolitische Narrative entwickeln, die die Sorgen und Ängste dieser Wählergruppe ernst nehmen.

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Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Was zeigt die Studie der Universität Tübingen über die wirtschaftspolitische Ausrichtung der AfD?
  2. 2. Wie viele Arbeiter haben die AfD bei der Bundestagswahl 2025 gewählt?
  3. 3. Warum spricht die AfD gezielt Arbeiter an, obwohl ihre Politik deren Interessen nicht vertritt?
  4. 4. Welche Rolle spielen kulturelle Narrative bei der Beliebtheit der AfD bei Arbeitern?
  5. 5. Wem würden die wirtschaftspolitischen Vorschläge der AfD laut ZEW Mannheim besonders nützen?
  6. 6. Was schlägt die Studie vor, um Arbeiter von der AfD zurückzugewinnen?

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