Dark Tourism: Reisen zu den dunklen Seiten Hamburgs
Dark Tourism in Hamburg
Sarah arbeitet als Tourguide in St. Pauli, einem Stadtteil von Hamburg. St. Pauli liegt am Hafen, deshalb spielte Kriminalität dort schon immer eine Rolle. Sie führt Touristen nicht zu den üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern zu Orten, die mit Kriminalität und Gewalt verbunden sind. Vor der Boxkneipe Zur Ritze erzählt sie von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Zuhälterbanden. Auch das Lokal Zum Goldenen Handschuh ist Teil ihrer Tour, denn dort lebte der Serienmörder Fritz Honka.
Was ist Dark Tourism?
Der Begriff Dark Tourism bezeichnet Reisen zu Orten, die mit Tod, Leiden oder Verbrechen in Zusammenhang stehen. Dazu gehören nicht nur Schauplätze von Verbrechen, sondern auch Gefängnisse, Friedhöfe und sogenannte Lost Places. In Hamburg ist dieses Angebot besonders beliebt. Mehrmals pro Woche führt das St. Pauli Office Gäste auf den Spuren des Verbrechens durch den Kiez. Die Teilnehmer hören dort Geschichten, die manche schockieren.
Warum besuchen Menschen solche Orte?
Professorin Sylvia Kesper-Biermann von der Universität Hamburg erforscht dieses Phänomen. Sie erklärt, dass Tod im Alltag der westlichen Gesellschaft kaum präsent ist. Beim Dark Tourism können Menschen selbst entscheiden, wie sie mit dem Thema in Berührung kommen. Außerdem dient das Böse als Möglichkeit der Selbstvalidierung: Wer das Böse sieht, weiß, wie man miteinander leben möchte. Auch die Geschichte des ehemaligen Chinesenviertels in St. Pauli wird thematisiert, wo das NS-Regime während des Zweiten Weltkriegs Anwohner deportierte.