Dark Tourism in Hamburg: Wenn Urlauber Verbrechensschauplätze besuchen
Bild: Ajepbah · Quelle · CC BY-SA 3.0 de
Kultur Geschichte

Dark Tourism in Hamburg: Wenn Urlauber Verbrechensschauplätze besuchen

Dark Tourism in St. Pauli

Der Hamburger Stadtteil St. Pauli ist bekannt für sein Nachtleben und seine Kneipen. Doch neben den Partys gibt es dort auch eine düstere Seite. Tourguide Sarah führt Besucher durch das Viertel und zeigt ihnen Orte, an denen früher Verbrechen geschahen. Anders als bei normalen Stadtführungen geht es nicht um Sehenswürdigkeiten wie den Beatles-Platz, sondern um Schauplätze von Kriminalität. Vor der legendären Boxkneipe Zur Ritze berichtet sie von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Zuhälterbanden und berühmten Luden wie Karate-Tommy. Auch der Aufstieg der Hells Angels und die Kokainschwemme in den 80er-Jahren werden thematisiert.

Was versteht man unter Dark Tourism?

Dark Tourism bezeichnet Reisen zu Orten, die mit Leiden, Schrecken, Tod oder Verbrechen verbunden sind. Das Spektrum reicht von Foltermuseen und historischen Schauplätzen wie Katakomben bis zu ehemaligen Gefängnissen und Friedhöfen. Auch sogenannte Lost Places und Angebote mit Fokus auf Grusel gehören dazu. Rund um True Crime haben sich nicht nur Medienformate, sondern auch ein ganzer Tourismuszweig entwickelt. In Hamburg ist dieses Angebot mittlerweile sehr gefragt. Mehrmals pro Woche führt das St. Pauli Office Gäste auf den Spuren des Verbrechens über den Kiez. Dabei erzählt Sarah anschaulich direkt an den Tatorten, was dort geschehen ist. Manche Fälle sind den Teilnehmern bekannt, andere schockieren selbst hartgesottene Besucher.

Die Motive der Besucher

Warum besuchen Menschen solche Orte? Professorin Sylvia Kesper-Biermann von der Universität Hamburg hat sich mit diesem Phänomen beschäftigt. Sie nennt drei zentrale Aspekte: Erstens ist Tod im Alltag der westlichen Gesellschaft kaum präsent. Beim Dark Tourism können Menschen selbst bestimmen, wie und wann sie mit dem Thema konfrontiert werden. Zweitens dient das Böse der Identitätsbildung und Selbstvalidierung. Wer das Böse vor Augen hat, wird sich klar darüber, wie wir miteinander leben wollen. Drittens ist das Erlebnis emotional stark. Auch die Unterwelt von St. Pauli mit ihren Katakomben und Tunneln sowie das ehemalige Chinesenviertel gehören zu den Stationen, denn früher wurde dort geschmuggelt und das NS-Regime deportierte Anwohner.

Dieser Text greift Themen und Fakten aus einer Quelle auf und gibt sie in eigenen Worten wieder, angepasst an Sprachniveau B2.

Lizenz des Textes und des Quiz: CC BY-NC 4.0

Text bewerten: Kommentieren:
Teilen:

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Was zeigt Sarah nicht?
  2. 2. Wer war Karate-Tommy?
  3. 3. Was passierte in den 80er-Jahren?
  4. 4. Was gab es in der Unterwelt?
  5. 5. Was können Menschen beim Dark Tourism bestimmen?
  6. 6. Wer erforscht Dark Tourism?
Quiz bewerten: Kommentieren:

Weiterlesen

B1 Sprachniveau ändern C1