Elektroautos und die Herausforderungen einer lebenszyklusbasierten Klimabilanz
Die Grenzen der aktuellen Regulierung
Elektroautos gelten als emissionsfrei, da sie im Betrieb keine direkten CO₂-Emissionen verursachen. Doch diese Betrachtung greift zu kurz. Die Klimabilanz eines Fahrzeugs umfasst den gesamten Lebenszyklus: von der Herstellung über die Nutzung bis hin zum Recycling. Ein White Paper der Technischen Universität München (TUM) kritisiert, dass die aktuellen EU-Flottengrenzwerte diese Aspekte weitgehend ignorieren. Stattdessen konzentrieren sie sich fast ausschließlich auf die direkten Emissionen während der Fahrt.
Die Ergebnisse der TUM-Studie
Die TUM-Forscher haben 19 Studien mit insgesamt 47 Szenarien ausgewertet. Im Durchschnitt verursachen Elektroautos über ihren Lebenszyklus 41 Prozent weniger CO₂ als vergleichbare Verbrenner. Allerdings zeigt die Analyse auch eine große Spannweite: In einigen Szenarien sind die Emissionen um bis zu 89 Prozent geringer, in anderen jedoch um 21 Prozent höher. Diese Unterschiede hängen von Faktoren wie der Stromerzeugung, der Batterieproduktion und dem Recycling ab.
Die Forderung nach einer lebenszyklusbasierten Regulierung
Die Autoren des White Papers argumentieren, dass die aktuelle Regulierung wichtige Klimaschutzmaßnahmen vernachlässigt. Emissionsärmere Produktionsmethoden, klimafreundlichere Batterien oder die Rückgewinnung von Materialien beim Recycling würden kaum berücksichtigt. Die TUM-Forscher schlagen daher vor, einen lebenszyklusbasierten Standard einzuführen. Dieser würde nachweisbare CO₂-Minderungen in allen Phasen des Fahrzeuglebens anrechnen – unabhängig davon, ob sie bei der Herstellung, im Betrieb oder beim Recycling entstehen.
Die Rolle von Stahl und anderen Materialien
Besonders viel Potenzial sehen die Autoren bei der Stahlproduktion. Hier gibt es bereits belastbare Daten, die eine Integration in die Regulierung ermöglichen könnten. Langfristig könnte ein solcher Ansatz dazu beitragen, die Klimabilanz von Fahrzeugen weiter zu verbessern. Die Europäische Kommission hat zwar in ihrem Automotive Package für 2035 eine Reduktion der Auspuffemissionen um 90 Prozent vorgesehen, doch nach Einschätzung der TUM greift dieser Ansatz zu kurz.