Ehegattensplitting in Deutschland: Steuerliche Vorteile und gesellschaftliche Debatten
Das Prinzip des Ehegattensplittings
In Deutschland können Ehepaare seit 1958 vom sogenannten Ehegattensplitting profitieren. Dabei werden die Einkommen beider Partner addiert, durch zwei geteilt und die Steuern auf diesen Betrag berechnet. Anschließend wird die Steuerschuld verdoppelt. Diese Regelung begünstigt Paare, bei denen ein Partner deutlich mehr verdient als der andere. Ein Beispiel: Verdient ein Partner 60.000 Euro und der andere nichts, spart das Paar fast 5.800 Euro Steuern im Jahr.
Kritik an der bestehenden Regelung
Kritiker des Ehegattensplittings argumentieren, dass die Regelung veraltet ist und Frauen davon abhält, mehr zu arbeiten. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) bezeichnet das Splitting als "aus der Zeit gefallen" und kritisiert, dass es ein überholtes Frauen- und Familienbild manifestiere. Tatsächlich zeigt sich, dass etwa die Hälfte der Frauen in Deutschland in Teilzeit arbeitet. Die Regelung kostet den Staat jährlich bis zu 25 Milliarden Euro.
Positionen der politischen Akteure
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verteidigt das Ehegattensplitting. Er betont, dass die Ehe eine Erwerbs- und Unterhaltsgemeinschaft sei und das Einkommen steuerlich gemeinsam behandelt werden müsse. Überraschenderweise unterstützt Johannes Winkel, Chef der Jungen Union, eine Reform. Er schlägt vor, Ehepaare vor allem dann steuerlich zu entlasten, wenn sie Kinder erziehen. Aktuell gilt das Splitting auch für kinderlose Ehen.
Vorschlag für eine neue Regelung
Klingbeil plant, das Ehegattensplitting durch eine flexiblere Regelung zu ersetzen. Beide Partner sollen einen steuerfreien Betrag untereinander aufteilen können, um ihre Steuerschuld zu optimieren. Dies würde den Steuervorteil verringern, aber weiterhin Anreize für eine gemeinsame Besteuerung bieten. Ob sich dieser Vorschlag durchsetzen kann, ist jedoch noch unklar. In Europa gibt es ähnliche Regelungen in Ländern wie Frankreich und Luxemburg.