Europas Alleingang gegen die Schattenflotte
Die wachsende Gefahr
Seit Russlands Überfall auf die Ukraine setzt Moskau verstärkt auf eine sogenannte Schattenflotte, um westliche Sanktionen zu umgehen und sein Öl weltweit exportieren zu können. Diese Tanker greifen häufig auf Täuschungsmanöver zurück, wie das Abschalten ihrer Ortungssender, um der Entdeckung zu entgehen. Die Flotten bestehen größtenteils aus veralteten, nicht versicherten und schlecht gewarteten Tankern. Sie lösen in der Schifffahrtsbranche große Besorgnis aus, da sie das Risiko von Unfällen und Umweltschäden erhöhen. Dennoch sind sie in den letzten Jahren rasant gewachsen. Schätzungen des Finanzinformationsunternehmens S&P Global zufolge machen sie mittlerweile fast 19 Prozent der globalen Öltankerkapazität aus. Auch andere sanktionierte Länder wie Iran und Venezuela werden beschuldigt, solche Schiffe zu nutzen.
Konflikt zwischen USA und EU
Während die Vereinigten Staaten und europäische Länder ihre Bemühungen verstärkt haben, Tanker abzufangen, erwägt die Trump-Regierung nun eine Lockerung der Sanktionen gegen einige Schiffe. Dieser Schritt zielt darauf ab, die rekordhohen globalen Frachtraten zu senken. Experten wie Michael Carpenter vom IISS warnen jedoch, dass dies die Wirksamkeit des gesamten Sanktionsregimes verringern und den Aggressor belohnen würde. Ben Harris von der Brookings Institution betont, dass die US-Sanktionen ein überproportionales Gewicht haben, da sie die Gefahr bergen, vom US-Finanzsystem abgeschnitten zu werden. Sollte Washington die Sanktionen aufheben, verlagert sich die Verantwortung auf die europäischen Entscheidungsträger, die jedoch über weniger wirksame Optionen verfügen.
Europas begrenzte Möglichkeiten
Die EU kann dennoch einige Maßnahmen ergreifen. Sie kann vorschreiben, dass Tanker bei Fahrten durch ihre Gewässer eine gültige und etablierte Versicherung mitführen müssen. Dadurch könnten viele Tanker der Schattenflotte in der Praxis kein legales russisches Öl transportieren. Außerdem kann Europa Druck auf Länder weltweit ausüben, um die unter ihrer Flagge fahrenden Tanker besser zu regulieren. Der Großteil der Schattenflotte durchquert die Ostsee und verlässt sie über die dänische Meerenge, wo die EU Schiffe entern und inspizieren kann. Doch Moskau drohte bereits, europäische Schiffe zu beschlagnahmen. Ohne die Unterstützung der USA wird es für die EU-Länder erheblich schwieriger, die Lasten und Risiken der Sanktionsdurchsetzung zu tragen. Die europäischen Verbündeten müssen daher zusammenhalten und eng mit Partnern wie Japan, Australien und Kanada kooperieren.