Die Geschichte der Gastarbeiter und ihre Rente
Die ersten Gastarbeiter in Deutschland
Vor 65 Jahren landeten die ersten Gastarbeiter am Düsseldorfer Flughafen. Sie hatten das Abenteuer gewagt und ihre Heimat zurückgelassen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Henrik Wüst dankte ihnen Mitte September mit einem Festakt für ihre Leistung. Bis zum Anwerbestopp 1973 waren allein 870.000 Türkinnen und Türken nach Deutschland gekommen. Sie schufteten in den Bergbauzechen, leisteten Akkordarbeit an den Fließbändern oder putzten die Fabrikhallen. Die meisten von ihnen blieben in Deutschland und fanden in Städten wie Düsseldorf, Köln oder Duisburg ihr neues Zuhause. Wüst lobte, dass sie das Land vielfältiger, offener und stärker gemacht hätten, stellte aber auch klar, dass immer noch Diskriminierung besteht.
Erfolge und anhaltende Diskriminierung
Das Anwerbeabkommen gilt als Erfolgsgeschichte, weil es Bildungsaufstiege, berufliche und politische Aufstiege ermöglichte. Heute gibt es viele Universitätsabsolventen und sogar Ministerpräsidenten wie Cem Özdemir aus Baden-Württemberg. Doch laut Professor Haci-Halil Uslucan gibt es immer noch viel Diskriminierung. Sein Vater kam 1971 nach Berlin und arbeitete in der Textilbranche. Uslucan forscht an der Universität Duisburg-Essen zu den Schattenseiten des Abkommens. Dazu gehört die zunehmende Einsamkeit älterer Zuwanderer im Rentenalter. Auch die Altersarmut macht vielen zu schaffen.
Altersarmut und niedrige Renten
Die Altersarmut ist bei Migranten doppelt so hoch wie bei Deutschen. Zwischen 25 und 30 Prozent der Migranten sind armutsgefährdet, gegenüber 12 bis 14 Prozent bei den Deutschen. Auch die Invaliditätsrate und die Frühverrentung sind deutlich höher, weil die erste Generation sehr stark körperlich gearbeitet hatte. Eine Sonderauswertung der Deutschen Rentenversicherung zeigt alarmierende Zahlen. Türkische Rentenempfänger erhalten etwa 360 Euro weniger, Ende 2025 waren es 890 Euro gegenüber 1250 Euro. Der Anteil der Grundsicherungsempfänger ist mit 9,3 Prozent mehr als dreimal so hoch wie bei Deutschen. Ihre Beschäftigungsquote im Alter ist nur halb so hoch wie bei Deutschen. Viele Gastarbeiter konnten sich beruflich nicht weiterqualifizieren und haben ihre Gesundheit geopfert.