Herausforderungen und Bedeutung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs
Die Situation heute
Der deutsch-israelische Jugendaustausch steckt in einer tiefen Krise. Am Margaretha-Rothe-Gymnasium in Hamburg organisierten die Lehrer Friederike Klee und Axel Schlüter seit 2015 Austauschprogramme mit Israel. Früher reisten jedes Jahr 15 bis 20 Schüler nach Israel, und im Sommer kamen israelische Jugendliche nach Hamburg. Doch seit der Corona-Pandemie und dem Terrorangriff am 7. Oktober 2023 finden kaum noch Austauschprogramme statt.
Finanzielle und organisatorische Hürden
Eine Austauschreise nach Israel ist ein großer organisatorischer und finanzieller Kraftakt. Die Lehrer müssen Geld von verschiedenen Stiftungen, der Schulbehörde und durch Schulveranstaltungen sammeln. Oft kostet eine Reise über 1000 Euro pro Schüler. Wenn die Reise wegen einer Reisewarnung abgesagt werden muss, ist das meiste Geld verloren. Erik Lindner von der Axel-Springer-Stiftung berichtet, dass die Anzahl der Förderanträge stark zurückgegangen ist.
Sicherheitsbedenken und Antisemitismus
Nicht nur das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Israel, auch die israelischen Behörden raten davon ab, nach Deutschland zu reisen. Der wachsende Antisemitismus und tätliche Angriffe auf Juden setzen die Schulen unter Druck. Axel Schlüter erzählt, dass Schulen oft erst nach dem Besuch der israelischen Schülergruppe öffentlich darüber berichten. Für die Sicherheit müssen extra Busse oder Sicherheitskräfte gemietet werden, was zusätzlichen Aufwand und Kosten verursacht.
Die Bedeutung des Austauschs
Trotz aller Schwierigkeiten betonen die Lehrer die Wichtigkeit des Austauschs. Mehmet Can vom Campus Rütli in Berlin sagt, dass die Reisen helfen, Antisemitismus zu bekämpfen. Die Schüler lernen die Komplexität des Nahost-Konflikts besser verstehen und entwickeln ein kritischeres Verhältnis zu Informationen. Friederike Klee und Axel Schlüter glauben, dass persönliche Begegnungen und emotionale Erfahrungen vor Ort entscheidend sind. Wenn Menschen sich kennenlernen, sehen sie den anderen als Menschen – das ist ein wichtiger Schritt gegen Vorurteile.