Das Ende der autoritären Herrschaft in Serbien
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Das Ende der autoritären Herrschaft in Serbien

Das Ende der Ära Vucic

Am Sonntagabend um 21:42 Uhr verlassen Hunderte junge Männer den Pionierpark, der sich im Zentrum Belgrads zwischen Präsidentenpalast und Parlament befindet. Sie tragen Kapuzen und Masken wie zu Pandemiezeiten. Die dunkel gekleideten Männer ziehen davon, während aus der euphorischen Menge ringsum Rufe ertönen. Gerade einmal zwölf Minuten zuvor hat Serbiens ehemaliger Präsident Aleksandar Vucic seine Wahlniederlage eingeräumt. Der Mann, der das Land mehr als 14 Jahre lang mit harter Hand geführt hat, hat seine Macht verloren. In der Nacht zum Montag sind auf den Straßen Belgrads und anderer Städte glückliche Menschen unterwegs. Ein Mann um die vierzig in der Nähe des Parlaments sagt: "Ich fühle mich wunderbar. Das ist zugleich das Kürzeste und das Längste, was ich dazu sagen kann."

Ein historischer Wahlerfolg der Studierenden

Die Studierendenliste, getragen von einer Protestbewegung, die seit zwei Jahren das Land aufrüttelt, holt rund 53 Prozent der Stimmen. Das Bündnis um Vucics Serbische Fortschrittspartei (SNS), an klare Siege gewöhnt, kommt auf etwa 39 Prozent. Keine andere Liste überwindet die Dreiprozenthürde, lediglich Vertreter nationaler Minderheiten, für die diese Sperrklausel nicht gilt, ziehen ebenfalls ins Parlament ein. Im Wahlkampf und noch am Wahltag gab es immer wieder Berichte über Stimmenkauf und Druck auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst, für Vucics SNS zu stimmen. Kritiker werfen Vucic seit Jahren Korruption, die Vergabe öffentlicher Großaufträge an parteinahe Unternehmer und eine nahezu vollständige Kontrolle über die Medien vor. Am Ende gratuliert Vucic der Studierendenliste zerknirscht und wiederholt seinen Vorwurf, ihre Vertreter zerstörten den Staat und seien "Ausführende schmutziger Arbeiten".

Die Vorgeschichte der Proteste

Die studentische Revolte begann, nachdem Ende 2024 das Vordach des frisch renovierten Bahnhofs in Novi Sad, der zweitgrößten Stadt des Landes, eingestürzt war. Dabei kamen 16 Menschen ums Leben. Schnell stellte sich heraus, dass bei der Bahnhofssanierung offenbar politische Korruption im Spiel gewesen war, denn die Vergabe der Bauaufträge und die Rolle von Subunternehmern warfen Fragen nach Transparenz und möglichen Verbindungen zum Machtapparat auf. Zudem hatten die Behörden Warnungen vor Sicherheitsmängeln mutmaßlich bewusst ignoriert. "Korruption tötet!", lautete eine Losung der studentischen Proteste. Zwei Jahre lang durchquerten Studierende Serbien zu Fuß, sprachen mit den Menschen und organisierten einige der größten Proteste in der Geschichte des Landes. Dabei lag am Wahltag Ärger in der Luft, denn bei mehreren Vorfällen wurden Motorradfahrer, die die Studierenden unterstützen, und andere Bürger angegriffen.

Die Zusammensetzung der neuen Liste

Auf der siegreichen Studierendenliste stehen neben Aktivisten auch angesehene Professoren. Ihre Liste ist ideologisch bunt gemischt: Auf ihr stehen Menschen, die Serbien in die Europäische Union führen wollen, und solche, die Russland näherstehen. Linke und Rechte, gesellschaftlich Progressive und Konservative sind vertreten. Was sie verbindet, ist der Wunsch, in Serbien wieder rechtsstaatliche Verhältnisse herzustellen. Viele Beobachter sind überzeugt, dass nur ein solches Bündnis über ideologische Grenzen hinweg Vucic überhaupt schlagen konnte. Für den Philosophen und politischen Kommentator Ivan Milenkovic ist das, was die Studierenden mit ihrer genau zwei Jahre währenden Revolte vollbracht haben, ein politisches Meisterstück. Er sagt, politisches Geschick und Beharrlichkeit gingen hier mit ganz gewöhnlichen menschlichen Tugenden wie Ehrlichkeit und Ehre einher.

Dieser Text greift Themen und Fakten aus einer Quelle auf und gibt sie in eigenen Worten wieder, angepasst an Sprachniveau C1.

Lizenz des Textes und des Quiz: CC BY-NC 4.0

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  2. 2. Was sagte der Mann um die vierzig?
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  4. 4. Was war der Auslöser der Proteste?
  5. 5. Wer steht auf der Studierendenliste?
  6. 6. Was verbindet die Menschen auf der Liste?
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