LiDAR-Revolution in der Archäologie: Neue Erkenntnisse über indigene Kulturstätten in den Blue Mountains
Technologische Innovation in unwegsamem Gelände
Die Blue Mountains westlich von Sydney stellen Archäologen seit Jahrzehnten vor erhebliche Herausforderungen: Steile Sandsteinfelsen, tiefe Täler und ein dichter Eukalyptuswald erschweren die systematische Erforschung der Region erheblich. Ein Forschungsteam der University of Sydney um Dr. Jacob L. Bongers hat nun mithilfe von Drohnen und Flugzeugen, die mit LiDAR-Sensoren (Light Detection and Ranging) ausgestattet waren, drei bislang unregistrierte Felsunterstände entdeckt. Diese Technologie sendet Laserpulse zur Erdoberfläche und misst das reflektierte Licht, wodurch dreidimensionale Punktwolken entstehen, die selbst Geländeformen unter dem dichten Blätterdach sichtbar machen. Die Auswertung umfasste einen Datensatz von rund 1.057 Quadratkilometern, wobei eine spezielle Software potenzielle Felsüberhänge markierte, die anschließend vor Ort verifiziert wurden.
Partizipative Forschung mit indigenen Gemeinschaften
Die Untersuchung zeichnet sich durch eine vorbildliche Kooperation mit der Dharug Custodian Aboriginal Corporation (DCAC) aus, einer Organisation der indigenen Bevölkerung der Region. Angehörige der Gemeinschaft wirkten maßgeblich an der Auswahl der Untersuchungsgebiete mit und begleiteten die Dokumentation der Felskunst. Bei den Geländebegehungen fanden die Archäologen in den drei neuen Unterständen insgesamt fünfzig Steinartefakte sowie in einem Fall zwei rote Handschablonen von etwa 35 mal 15 Zentimetern Größe. Die Forscher vermuten, dass dieselbe Person beide Abdrücke hinterlassen hat, konnten jedoch das Alter der Malereien nicht bestimmen. Aufgrund ausdrücklicher Wünsche der indigenen Partner verzichteten die Wissenschaftler auf die Publikation genauer Fundortkoordinaten und Fotografien, um die kulturelle Integrität und den Schutz der Stätten zu gewährleisten.
Korrektur historischer Daten und Schutzstrategien
Neben den Neuentdeckungen gelang es dem Team, sechs bereits bekannte Felsunterstände präziser zu verorten. Die neuen Messungen lieferten exaktere Positionsangaben als die bisherigen Einträge im Aboriginal Heritage Information Management System (AHIMS), dem staatlichen Register für indigenes Kulturerbe in New South Wales. Ungenaue Koordinaten hatten zuvor die erneute Auffindung solcher Stätten erschwert. Die verbesserte Datenlage erleichtert nun die Überwachung und den Schutz der Kulturstätten vor Erosion, Buschbränden und baulichen Eingriffen. Dennoch bleibt die Zuverlässigkeit des Verfahrens unklar, da die Forscher lediglich 19 gezielt ausgewählte Kandidaten überprüften und Gebiete ohne digitale Treffer nicht systematisch untersuchten.
Ausblick und methodische Einschränkungen
Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Remote Sensing, unterstreicht das Potenzial luftgestützter Laserscans für die Archäologie in dicht bewaldeten Regionen. Allerdings betonen die Autoren, dass die Technologie archäologische Begehungen nicht ersetzen kann, sondern lediglich die gezielte Suche erleichtern und die oft knappen Ressourcen effizienter einsetzen hilft. Die entwickelten Suchkriterien sind spezifisch auf die Sandsteinlandschaft der Blue Mountains zugeschnitten; in anderen Regionen Australiens mit abweichender Geologie und Vegetation könnten Anpassungen erforderlich sein. Zukünftige Untersuchungen sollen die Methode in Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften auch im Norden und Westen des Kontinents erproben.