Ukrainische Unterstützung für Tuareg-Rebellen in Mali?
Die Ausweitung des russisch-ukrainischen Konflikts nach Afrika
Medienberichten zufolge könnte der russisch-ukrainische Krieg künftig auch auf afrikanischem Boden ausgetragen werden. Eine Recherche des US-Senders CNN vom September 2026 legt nahe, dass rund 15 ukrainische Drohnen-Spezialisten Tuareg-Rebellen im Norden Malis unterstützen sollen. Die separatistische Befreiungsfront von Azawad (FLA) kämpft gegen die Militärregierung in Bamako und deren russische Verbündete. Bereits im Juli 2024 hatte die DW über eine mögliche Beteiligung des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR an einem Hinterhalt auf russische Wagner-Kämpfer bei Tinzaouatène berichtet. Damals räumte ein HUR-Sprecher ein, die Rebellen hätten Informationen erhalten, bestritt jedoch eine direkte Kampfbeteiligung. Die Belastbarkeit der jüngsten CNN-Berichte ist unklar. Die DW bat den HUR um Stellungnahme, erhielt aber keine konkrete Antwort. Unklar bleibt, ob die Hilfe Ausbildung und technische Beratung umfasst oder auch die Weitergabe von Informationen und die Koordinierung von Angriffen.
Strategische Kalkulationen in Kiew
Für die ukrainische Führung scheint ein Engagement in der Sahelzone strategisch attraktiv. Marta Oliynyk-D'omochko, Koordinatorin für African Studies an der Kyiv Mohyla Academy, sieht das Hauptinteresse in der Schwächung des russischen Einflusses weltweit. Werde Russlands militärischer Einfluss zurückgedrängt, schwänden auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Moskau. Nach den Militärputschen 2020 und 2021 wandte sich Mali zunehmend von westlichen Partnern ab und Russland zu. Auf die Wagner-Gruppe folgte das Afrika-Korps, das Syrien und Libyen als Zwischenstationen nutzt. Kyrylo Budanow, Stabschef von Präsident Selenskyj, äußerte sich auf X dahingehend, der ukrainische Geheimdienst schütze die Interessen des Landes weltweit – von Russland bis Afrika. Die russische Historikerin Irina Filatova hält ein solches Vorgehen für plausibel. Ein Engagement in Mali könnte für die Ukraine eine kostengünstige Möglichkeit sein, russische Ressourcen zu binden.
Die prekäre Allianz mit den Tuareg
Die mutmaßlichen Partner der Ukraine sind jedoch höchst umstritten. Die FLA kooperiert mit der Dschihadistengruppe JNIM, die zum Al-Qaida-Netzwerk gehört. Während die Tuareg nach Selbstbestimmung oder Unabhängigkeit im Norden Malis streben, verfolgt die JNIM ein islamistisches Projekt. Beide Gruppierungen bekämpfen zwar dieselbe Regierung, verfolgen jedoch fundamental unterschiedliche Ziele. Oliynyk-D'omochko betont, dass es sich bei der Zusammenarbeit um eine taktische Zweckgemeinschaft handle, eine situative Allianz mit einem gemeinsamen Gegner, bei der beide Lager bereits früher zusammengearbeitet hatten. Die historische Verflechtung reicht zurück bis zum Sturz Muammar al-Gaddafis, nach dem schwer bewaffnete Tuareg-Kämpfer nach Mali zurückkehrten. Auch der heutige JNIM-Anführer Iyad Ag Ghaly war zunächst an der Tuareg-Rebellion beteiligt. Eine Unterstützung der FLA könnte der JNIM indirekt nützen, wenn diese Zugang zu Wissen und Ausrüstung erhält.
Internationale Reaktionen und diplomatische Folgen
Ein mögliches ukrainisches Engagement in Mali birgt erhebliche politische Risiken. Da die Tuareg in vielen afrikanischen Staaten als Separatisten gelten, könnte eine Zusammenarbeit den Eindruck erwecken, die Ukraine mische sich in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates ein. Tatsächlich werfen Mali, Niger und Burkina Faso der Ukraine vor, bewaffnete Gruppen zu unterstützen und die territoriale Integrität ihrer Staaten zu gefährden. Malis Außenminister Abdoulaye Diop erhob diese Vorwürfe im September bei den Vereinten Nationen und beschuldigte Kiew, terroristische und kriminelle Gruppen zu unterstützen. Die Regierungen haben ein politisches Interesse daran, ihre Partnerschaft mit Moskau zu legitimieren. Die drei Länder haben ihre diplomatischen Beziehungen zur Ukraine abgebrochen und ihre Partnerschaft mit Russland vertieft. Oliynyk-D'omochko warnt vor möglichen Folgen für die ukrainische Afrikapolitik. Eine Zusammenarbeit mit Separatisten widerspricht dem Anspruch auf gleichberechtigte Partnerschaften und könnte das Vertrauen potenzieller Partner beschädigen.