Kriegerische Prinzessinnen? Neue Erkenntnisse aus dem alten Ägypten
Die Entdeckung in Dahschur
Vor etwa 3900 Jahren lebten in Ägypten Prinzessinnen wie Ita, Chnumet und Ita-weret. Ihre Gräber fand man in Dahschur, nahe der Pyramide von Pharao Amenemhet II. In den Gräbern lagen wertvolle Beigaben: Dolche, Bögen und Keulen. Diese Funde lassen vermuten, dass die Prinzessinnen mit Waffen umgehen konnten.
Knochen verraten körperliche Aktivitäten
Wissenschaftler um Zeinab Hashesh untersuchten die Knochen der Prinzessinnen. Sie fanden besondere Veränderungen an den Muskelansatzstellen. Diese sogenannten Enthesien entstehen durch wiederholte körperliche Belastungen. Die Knochen zeigen, dass die Prinzessinnen starke Arme und Hände hatten. Besonders auffällig war, dass eine Körperseite stärker beansprucht wurde als die andere. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Prinzessinnen mit Pfeil und Bogen geschossen oder Dolche geführt haben.
Expertenmeinungen sind geteilt
Nicht alle Experten sind überzeugt von dieser Interpretation. Der Ägyptologe Wolfram Grajetzki bezweifelt, dass man so genau sagen kann, was die Prinzessinnen gemacht haben. Auch der Bioarchäologe Sébastien Villotte findet die Schlussfolgerungen spekulativ. Beide betonen, dass es nicht genug Vergleichsdaten gibt. Vielleicht haben die Prinzessinnen andere Tätigkeiten ausgeübt, die ähnliche Spuren an den Knochen hinterlassen.
Mögliche alternative Erklärungen
Brigitte Holt, eine biologische Anthropologin, erklärt, dass verschiedene Bewegungen ähnliche Knochenveränderungen verursachen können. Das Bogenschießen beansprucht zwar beide Arme, aber die Veränderungen bei den Prinzessinnen waren oft nur auf einer Seite zu sehen. Vielleicht haben die Prinzessinnen viel gewebt oder andere zeremonielle Tätigkeiten ausgeübt. Auch das Alter der Prinzessinnen könnte eine Rolle spielen.