Krise der deutschen Autoindustrie: Arbeitszeit oder Arbeitsplatz?
Die Krise der deutschen Automobilbranche
Die deutsche Autoindustrie befindet sich in einer tiefen Krise. Hohe Produktionskosten, internationale Konkurrenz und der Wandel zur Elektromobilität setzen Unternehmen wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz unter Druck. Als Reaktion planen die Konzerne, Tausende Arbeitsplätze abzubauen. Experten wie Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research (CAR) warnen: Bis 2030 könnten nur noch 500.000 Menschen in der Branche arbeiten – ein Rückgang um fast 40 Prozent seit 2018.
Die Forderung nach längeren Arbeitszeiten
Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, fordern die Unternehmen eine Verlängerung der Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden pro Woche – ohne Lohnerhöhung. Die 35-Stunden-Woche, ein Ergebnis von Tarifverträgen aus den 1980er und 1990er Jahren, sei nicht mehr zeitgemäß, so Dudenhöffer. Er argumentiert, dass die Personalkosten um 13 Prozent sinken würden, wenn die Arbeiter mehr Stunden arbeiten. "Wir schaffen damit Bedingungen, die Arbeitsplätze in Deutschland auch in Zukunft ermöglichen", sagt er.
Der Widerstand der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften lehnen diese Pläne vehement ab. Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, betont, dass die Arbeiter bereits Milliarden an Zugeständnissen gemacht haben. Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Probleme nicht in zu wenigen Arbeitsstunden liegen, sondern in schwacher Nachfrage und unausgelasteten Fabriken. Am 21. September organisiert die IG Metall bundesweite Demonstrationen, um gegen Stellenstreichungen und längere Arbeitszeiten zu protestieren.
Experten: Längere Arbeitszeiten allein reichen nicht
Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) sieht einen unvermeidlichen Konflikt zwischen Unternehmen und Gewerkschaften. Zwar könnten längere Arbeitszeiten die Lohnkosten pro Stunde senken, doch die strukturellen Probleme der Branche ließen sich damit nicht lösen. Bratzel betont: "Allein durch fünf Stunden mehr Arbeit pro Woche lässt sich das technologische Rennen gegen China nicht gewinnen."
Die deutsche Autoindustrie müsse attraktive und erschwingliche Elektrofahrzeuge entwickeln, in Software und KI investieren und die Effizienz der Produktionsprozesse steigern. Zudem seien Reformen in den Bereichen Energie, Steuern und Bürokratie notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als Standort zu sichern.