LiDAR-gestützte Entdeckung prähistorischer Kulturstätten: Eine interdisziplinäre Studie zur Erforschung indigener Felskunst in den australischen Blue Mountains
Methodische Innovationen in der archäologischen Fernerkundung
Die systematische Erforschung der Blue Mountains westlich von Sydney wird seit jeher durch die topografischen Gegebenheiten erschwert: Steile Sandsteinfelsen, tief eingeschnittene Täler und ein dichter Eukalyptuswald machen konventionelle archäologische Begehungen zu einer mühsamen, teuren und zeitaufwendigen Angelegenheit. Ein internationales Forschungskonsortium unter der Leitung von Dr. Jacob L. Bongers von der University of Sydney hat nun ein Verfahren entwickelt, das Laserscans aus Drohnen- und Flugzeugbefliegungen mit computergestützter Geländeanalyse kombiniert. Bei der sogenannten LiDAR-Technologie (Light Detection and Ranging) senden Sensoren Laserpulse zur Erdoberfläche und messen das reflektierte Licht, wodurch hochpräzise dreidimensionale Punktwolken entstehen, in denen sich selbst subtile Geländeformen unter dem dichten Blätterdach identifizieren lassen. Die Auswertung eines Datensatzes von rund 1.057 Quadratkilometern ermöglichte die Identifikation von 19 potenziellen Felsüberhängen, die sich bei der anschließenden Geländebegehung allesamt als archäologisch relevante Strukturen erwiesen, was die hohe Trefferquote des Verfahrens unterstreicht.
Ethische Forschungskooperation und kulturelle Sensibilität
Die Studie zeichnet sich durch eine vorbildliche partizipative Zusammenarbeit mit der Dharug Custodian Aboriginal Corporation (DCAC) aus, einer autorisierten Organisation der indigenen Bevölkerung der Region. Angehörige der Gemeinschaft waren integraler Bestandteil des Forschungsprozesses, von der Auswahl der Untersuchungsgebiete bis zur Dokumentation der Felskunst. In den drei neu entdeckten Felsunterständen lokalisierten die Archäologen insgesamt fünfzig Steinartefakte sowie zwei bemerkenswerte rote Handschablonen auf einer Fläche von etwa 35 mal 15 Zentimetern. Die räumliche Anordnung – eine linke und eine rechte Hand unmittelbar nebeneinander – legt nahe, dass dieselbe Person beide Abdrücke während eines einzigen rituellen oder künstlerischen Vorgangs hinterlassen hat, wenngleich eine Altersbestimmung der Malereien im Rahmen dieser Untersuchung nicht gelang. Aufgrund ausdrücklicher Wünsche der indigenen Partner verzichteten die Autoren auf die Publikation exakter Fundortkoordinaten und fotografischer Dokumentationen, um die kulturelle Integrität, die spirituelle Bedeutung und den physischen Schutz der Stätten zu gewährleisten. Diese Praxis spiegelt ein wachsendes Bewusstsein für die Notwendigkeit ethischer Forschungsstandards im Umgang mit indigenem Kulturerbe wider.
Präzisierung bestehender Kulturerberegister und Schutzimplikationen
Über die Neuentdeckungen hinaus gelang es dem Forschungsteam, sechs bereits im Aboriginal Heritage Information Management System (AHIMS) registrierte Felsunterstände präziser zu verorten. Die neuen LiDAR-basierten Messungen lieferten signifikant genauere Positionsangaben als die bisherigen, teils fehlerhaften Einträge im staatlichen Register für indigenes Kulturerbe in New South Wales. Diese Korrektur historischer Daten ist von erheblicher Bedeutung, da ungenaue Koordinaten die erneute Auffindung und den wirksamen Schutz solcher Stätten vor natürlichen Gefahren wie Erosion und Buschbränden sowie vor anthropogenen Bedrohungen durch Baumaßnahmen erheblich erschweren. Die verbesserte räumliche Datenlage ermöglicht eine effektivere Überwachung und gezieltere Konservierungsmaßnahmen.
Kritische Reflexion der Methodik und zukünftige Perspektiven
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse betonen die Autoren die methodischen Limitationen ihres Ansatzes. Da die 19 überprüften Kandidaten gezielt als aussichtsreich ausgewählt wurden und Gebiete ohne digitale Treffer nicht systematisch begangen wurden, lässt sich weder die Fehlerquote der automatischen Markierungen noch die Vollständigkeit der Erfassung quantifizieren. Zudem wurden die Suchkriterien spezifisch für die sandsteinerne Landschaft der Blue Mountains entwickelt; in anderen Regionen Australiens mit abweichender Geomorphologie und Vegetationsstruktur könnten signifikante Anpassungen erforderlich sein. Die Laserscans ersetzen somit keineswegs die unverzichtbare archäologische Feldarbeit, sondern dienen vielmehr als effizientes Screening-Instrument, das die gezielte Allokation oft knapper personeller und finanzieller Ressourcen ermöglicht. Zukünftige Forschungsvorhaben sollen die Methode in enger Kooperation mit indigenen Gemeinschaften auch im Norden und Westen Australiens erproben und weiterentwickeln. Die Studie, publiziert in der renommierten Fachzeitschrift Remote Sensing, leistet somit einen Beitrag zur Weiterentwicklung archäologischer Prospektionsmethoden.