Midterm Elections 2026: Machtkampf um die Kongressmehrheit in den USA
Kontext und Bedeutung der Zwischenwahlen
Am Dienstag, den 3. November 2026, finden in den Vereinigten Staaten die sogenannten Midterm Elections statt. Diese Wahlen werden als Zwischenwahlen bezeichnet, weil sie exakt in der Mitte zwischen zwei Präsidentschaftswahlen liegen und im Vierjahresrhythmus stattfinden. Anders als bei den Präsidentschaftswahlen geht es an diesem Tag nicht um die Frage, wer ins Weiße Haus einzieht, sondern um die personelle Zusammensetzung des Kongresses im Kapitol. Die amerikanischen Wähler entscheiden, wer sie in den beiden Kammern des Kongresses vertritt: im Repräsentantenhaus und im Senat. Darüber hinaus wählen die Einwohner in 36 Bundesstaaten ihre Gouverneure, die auf bundesstaatlicher Ebene wichtige Entscheidungen treffen. Obwohl die Wahlbeteiligung bei Zwischenwahlen traditionell niedriger ausfällt als bei Präsidentschaftswahlen, können die Ergebnisse die politische Landschaft nachhaltig verändern und die Handlungsfähigkeit der Regierung maßgeblich beeinflussen.
Institutionelle Struktur des Kongresses
Das Repräsentantenhaus setzt sich aus 435 stimmberechtigten Abgeordneten zusammen, deren Mandate alle zwei Jahre zur Disposition stehen. Die Verteilung der Sitze erfolgt proportional nach der Bevölkerungszahl der einzelnen Bundesstaaten, weshalb bevölkerungsreiche Staaten wie New Jersey zwölf Sitze innehaben, während dünn besiedelte Staaten wie Wyoming lediglich einen einzigen Sitz besitzen. Der Senat hingegen besteht aus 100 Mitgliedern, wobei jeder der 50 Bundesstaaten unabhängig von seiner Größe zwei Senatoren entsendet. Die Amtszeit eines Senators beträgt sechs Jahre, wobei alle zwei Jahre etwa ein Drittel der Senatssitze, konkret 35 Sitze, neu vergeben werden. Folglich wird bei den Midterms nicht in jedem Bundesstaat über die Vertretung im Senat abgestimmt. Die Gouverneure werden in den meisten Bundesstaaten für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Viele politische Entscheidungen werden auf bundesstaatlicher Ebene getroffen, vom Abtreibungsrecht bis zu Bildungsfragen.
Aktuelle Mehrheitsverhältnisse und Prognosen
Derzeit verfügen die Republikaner, die Partei von Präsident Trump, über die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses, wenngleich ihr Vorsprung äußerst knapp bemessen ist. Im Repräsentantenhaus sitzen gegenwärtig 218 republikanische Abgeordnete, 214 Demokraten sowie ein unabhängiger Abgeordneter, der in der Regel mit den Republikanern stimmt, während zwei Sitze vakant bleiben. Im Senat halten die Republikaner 53 Sitze, die Demokraten verfügen über 45 Mandate, und zwei unabhängige Senatoren stimmen normalerweise mit den Demokraten. Bei einem Patt im Senat fällt die Entscheidung dem Vizepräsidenten zu, zurzeit dem Republikaner JD Vance. Um die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu erobern, müssten die Demokraten lediglich vier zusätzliche Sitze hinzugewinnen, was Experten angesichts der aktuellen Umfragewerte für durchaus realistisch halten. Für die Senatsmehrheit müssten sie vier Sitze gewinnen. Die Demokraten könnten auch im Senat gewinnen.
Politische Implikationen und spannende Rennen
Politikwissenschaftler betrachten die Midterms traditionell als ein Referendum über die Amtsführung des Präsidenten und dessen regierende Partei. Ist die Bevölkerung mit der politischen Arbeit zufrieden, profitiert die Präsidentenpartei von positiven Mitnahmeeffekten, während Unzufriedenheit zu erheblichen Verlusten führen kann. Gegenwärtig befinden sich die Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump auf einem historischen Rekordtief, was die Chancen der Demokraten erheblich verbessert. Besonders spannend gestalten sich die Rennen in Bundesstaaten wie Texas, Iowa, Virginia und Montana. In Texas liegt der Demokrat James Talarico in aktuellen Umfragen gleichauf mit seinem republikanischen Rivalen Ken Paxton, was eine Sensation wäre, da seit 1994 kein Demokrat in Texas auf bundesstaatlicher Ebene erfolgreich war. Zudem wird in Minnesota und Georgia über die Gouverneursposten entschieden, wobei in Georgia die Demokratin Keisha Lance Bottoms gegen den Republikaner Rick Jackson antritt und möglicherweise erstmals eine schwarze Frau an die Spitze eines Bundesstaates gewählt werden könnte. In Minnesota kämpft die Demokratin Amy Klobuchar gegen die Republikanerin Lisa DeMuth. Auch Mitglieder der Bush-Familie unterstützen Talarico.