Neue Erkenntnisse über jungsteinzeitliche Familienstrukturen in Deutschland
Das Grab von Sorsum
Vor etwa 5300 Jahren, in der Jungsteinzeit, bauten Menschen in Europa große Gräber aus Steinen. Ein solches Grab entdeckten Forscher in Sorsum bei Hildesheim. Hier fanden sie die Überreste von mehr als 100 Toten. Durch genetische Analysen stellten sie fest, dass nicht alle Bestatteten miteinander verwandt waren.
Unterschiedliche Kulturen und Gene
In der Nähe von Sorsum lebten zwei Kulturen: die Trichterbecherkultur und die Wartbergkultur. Die Menschen in Sorsum lebten nach den Bräuchen der Trichterbecherkultur, waren aber genetisch näher mit der Wartbergkultur verwandt. Das zeigt, dass Kultur und genetische Herkunft nicht immer übereinstimmen müssen.
Frauenwanderungen und Familienstrukturen
Die genetischen Daten zeigten auch, dass Frauen oft aus anderen Gemeinschaften in die Dörfer zogen. Die Männer blieben meist in ihrem Heimatdorf. Einige Männer hatten Kinder mit mehreren Frauen, was auf komplexe Familienstrukturen hinweist. Ein besonderer Fund war ein Vater und sein Sohn, die etwa 225 Kilometer voneinander entfernt bestattet wurden.
Soziale Bindungen in Gräbern
In den Gräbern fanden sich nicht nur biologisch verwandte Menschen, sondern auch solche mit sozialen Bindungen. Das deutet darauf hin, dass die Gemeinschaften in der Jungsteinzeit Patchwork-Familien ähnelten. Diese Erkenntnisse helfen uns, die Lebensweise der Menschen in der Jungsteinzeit besser zu verstehen.