Machtstrukturen in Afrika: Wie langjährige Präsidenten ihre Herrschaft sichern
Paul Biya – ein Leben für die Macht
Paul Biya regiert Kamerun seit 1982 und ist damit einer der am längsten amtierenden Staatschefs weltweit. Mit 93 Jahren trat er 2025 seine achte Amtszeit an, die bis 2032 dauern soll. Trotz seines hohen Alters und eines zweieinhalbmonatigen Aufenthalts in der Schweiz übt Biya weiterhin die volle Kontrolle über das Land aus. Er erlässt Dekrete und trifft Personalentscheidungen, als wäre er vor Ort. Sein Sprecher dementierte Gerüchte über gesundheitliche Probleme und betonte, Biya sei bei guter Verfassung. Doch die Frage nach seiner Nachfolge bleibt unbeantwortet, da der neu geschaffene Posten eines Vizepräsidenten unbesetzt ist.
Die Schwachstellen des loyalen Netzwerks
Biyas Machtapparat funktioniert auch in seiner Abwesenheit, doch die Stabilität ist trügerisch. Analysten wie Beverly Ochieng von Global Risk warnen vor den Folgen einer unklaren Nachfolge. Mehrere Gefolgsleute Biyas könnten Ambitionen hegen, ihn zu beerben. Dies könnte zu internen Machtkämpfen oder sogar zu einem Militärputsch führen. Die Angst vor Instabilität ist in Kamerun spürbar, doch das repressive Regime verhindert offene Diskussionen. Levi Mboushou, ein weiterer Analyst, beschreibt die Situation als ein "Man sieht etwas, aber sagt nichts."
Uganda: Die Frage der Dynastiebildung
In Uganda regiert Yoweri Museveni seit 1986. Auch hier ist die Nachfolge ungewiss, doch sein Sohn Muhoozi Kainerugaba rückt zunehmend in den Fokus. Als Chef des Militärs hat Kainerugaba bereits politische Macht demonstriert, etwa durch die Schließung mehrerer Medienhäuser. Experten sehen darin Anzeichen für eine schrittweise Machtübergabe, ähnlich wie in Äquatorialguinea, wo Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo die Kontrolle an seinen Sohn übergibt. Ob Museveni diesem Beispiel folgen wird, bleibt offen. Beverly Ochieng hält sowohl verfassungsgemäße Neuwahlen als auch ein Szenario wie im Tschad 2021 für möglich, wo der Sohn des verstorbenen Präsidenten die Macht übernahm.
Simbabwe: Verfassungsänderungen als Machtinstrument
In Simbabwe hat Präsident Emmerson Mnangagwa im Juni 2025 eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die seine Macht weiter festigt. Die Amtszeit des Präsidenten wurde von fünf auf sieben Jahre verlängert, und künftig soll das Parlament – in dem die Regierungspartei ZANU-PF eine komfortable Mehrheit hat – den Präsidenten wählen. Opposition und Rechtsexperten kritisieren diese Änderungen als undemokratisch und fordern ein Referendum. Chiedza Mlingwa vom Constitution Defenders Forum kommentierte: "Das Einzige, worüber man überrascht sein kann, ist die Dreistigkeit." Ähnliche Entwicklungen gibt es in Togo und Côte d'Ivoire, wo Verfassungsänderungen den Machterhalt der Präsidenten sichern sollen.
Globale Muster des Machterhalts
Die Beispiele aus Kamerun, Uganda und Simbabwe zeigen ein wiederkehrendes Muster: Langjährige Präsidenten nutzen verfassungsrechtliche, militärische und dynastische Strategien, um an der Macht zu bleiben. Beverly Ochieng betont, dass dieses Phänomen nicht auf Afrika beschränkt ist, sondern weltweit beobachtet werden kann. Entscheidend sei, ob Institutionen so gestaltet sind, dass sie Partizipation, öffentlichen Diskurs und Kontrolle ermöglichen – oder ob sie einseitige Entscheidungen an der Staatsspitze zulassen.