Schlaf bei Springspinnen
Wie schlafen Spinnen ohne Augenlider?
Springspinnen der Art Portia fimbriata schlafen nachts. Sie haben keine Augenlider, aber sie brauchen trotzdem Schlaf. Ein Forschungsteam aus Bonn um Daniela Rößler untersuchte das Verhalten der Tiere. Die Wissenschaftler beobachteten die Spinnen mit einer Infrarotkamera über einen längeren Zeitraum. Dabei fanden sie heraus, dass die Spinnen eine charakteristische Schlafhaltung einnehmen. Sie hängen an Seidenfäden und senken ihren Hinterleib leicht ab. Außerdem ziehen sie ihre Taster dicht unter den Körper und verharren so in Ruhe.
Zwei Schlafstadien entdeckt
Die Forscher konnten zwei verschiedene Schlafstadien beobachten. In einer Phase zuckten die Beine und Taster der Spinnen. Auch die Netzhaut in ihren großen Vorderaugen bewegte sich hin und her. Das erinnert stark an den REM-Schlaf bei Säugetieren. In dieser Phase reagierten die Tiere deutlich schlechter auf äußere Reize. Auf einen anschwellenden Ton brauchten sie im Schnitt mehr als doppelt so lange wie im Wachzustand. Vier von zehn Spinnen schliefen sogar so tief, dass sie trotz Weckton gar keine Regung zeigten.
Schlafmangel und Nachholen
Um den Schlaf zu testen, setzte das Team in einer Nacht pro Spinne 25 wuselige Taufliegen als Störenfriede in die Boxen ein. Die kleinen Fliegen störten die Spinnen während der Ruhephase. Dadurch blieben die REM-ähnlichen Episoden aus und die Ruhephasen waren zerstückelt. In der nächsten Nacht holten die Spinnen den Schlaf aber nach. Sie schliefen insgesamt länger und die Gesamtzeit in REM-ähnlichen Zuständen verdoppelte sich nahezu. Warum Spinnen Schlaf brauchen, bleibt vorerst offen. Vielleicht zur Regeneration oder zum Lernen.