Studie zur Zukunft der Medienbranche
Dramatischer Wandel bis 2035
Eine aktuelle Studie der Medienforscher Christian Zabel von der Technischen Hochschule Köln und Ulrike Rohn von der Universität Tallinn zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Medienlandschaft bis zum Jahr 2035. Die Wissenschaftler haben vier verschiedene Szenarien für die Zukunft der Branche entwickelt. Im pessimistischsten Szenario halbiert sich die Zahl der professionellen Journalisten drastisch. Während im Jahr 2023 noch rund 40.000 Journalisten in Deutschland arbeiteten, könnten es im Jahr 2035 nur noch etwa 20.000 sein. Das entspricht einem Rückgang von bis zu 50 Prozent. Selbst im optimistischsten Szenario ist ein Minus von zwölf Prozent zu erwarten. Darüber hinaus könnten die Einnahmen der Medienhäuser im schlimmsten Fall um 43 Prozent einbrechen, im besten Fall immer noch um zehn Prozent sinken.
Künstliche Intelligenz und Big Tech
Als Hauptursachen für diese negative Entwicklung nennen die Forscher zwei zentrale Faktoren. Zum einen gewinnt künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung und verändert grundlegend die Arbeitsweise in den Redaktionen. Zum anderen konzentrieren große Technologieunternehmen immer mehr Macht auf sich und gewinnen an Einfluss. Diese internationalen Konzerne bestimmen zunehmend, welche Nachrichten, Videos und anderen Inhalte die Menschen zu sehen bekommen. Dadurch verlieren klassische Medien wie Zeitungen und Fernsehsender kontinuierlich an Reichweite und wichtigen Werbeeinnahmen. Im sogenannten Szenario "Big Tech Takeover" beherrschen die Tech-Giganten den Markt weitgehend, und traditionelle Medienunternehmen liefern dann vor allem noch Inhalte für deren Plattformen.
Handlungsempfehlungen
Die Studie wurde im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio erstellt und bei den Medientagen in München der Öffentlichkeit vorgestellt. Die beteiligten Forscher empfehlen dringend, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als stabilisierende Kraft der Branche langfristig und verlässlich zu finanzieren. Zudem sollten die verschiedenen Medienunternehmen stärker miteinander kooperieren und innovative neue Geschäftsmodelle entwickeln. Entscheidend für die Zukunft sei auch, dass die Politik die großen Technologieplattformen stärker reguliert, um deren wachsende Macht effektiv zu begrenzen. Nur durch diese umfassenden Maßnahmen könne die Medienvielfalt in Deutschland langfristig erhalten bleiben.