Studie zur Zukunft der Medien: Bis 2035 könnte jeder zweite Journalist wegfallen
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Studie zur Zukunft der Medien: Bis 2035 könnte jeder zweite Journalist wegfallen

Dramatische Prognosen für die deutsche Medienlandschaft

Eine umfassende Studie der Medienforscher Christian Zabel von der Technischen Hochschule Köln und Ulrike Rohn von der Universität Tallinn zeichnet ein alarmierendes Bild der deutschen Medienlandschaft im Jahr 2035. Die Wissenschaftler haben vier verschiedene Szenarien entwickelt, die die möglichen Entwicklungen der Branche bis dahin aufzeigen. Im pessimistischsten Szenario halbiert sich die Zahl der professionellen Journalisten drastisch. Während im Jahr 2023 noch rund 40.000 Journalisten in Deutschland tätig waren, könnten es 2035 nur noch etwa 20.000 sein. Das entspricht einem Rückgang von bis zu 50 Prozent. Selbst im optimistischsten Szenario ist ein Minus von zwölf Prozent zu erwarten. Auch die wirtschaftlichen Aussichten sind düster: Die Einnahmen der Medienhäuser könnten im schlimmsten Fall um 43 Prozent einbrechen, im günstigsten Fall immer noch um zehn Prozent sinken. Zudem könnte der Anteil der deutschen Medienangebote an der gesamten Mediennutzung um 18 bis 47 Prozent zurückgehen.

Künstliche Intelligenz und die zunehmende Macht der Tech-Konzerne

Als Hauptursachen für diese bedrohliche Entwicklung identifizieren die Forscher zwei zentrale Faktoren, die die Branche fundamental verändern. Zum einen gewinnt künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung und verändert grundlegend die Arbeitsweise in den Redaktionen sowie die Art und Weise, wie Inhalte produziert und verbreitet werden. Zum anderen konzentrieren große Technologieunternehmen immer mehr Macht auf sich und gewinnen kontinuierlich an Einfluss im digitalen Raum. Diese internationalen Konzerne bestimmen zunehmend, welche Nachrichten, Videos und anderen Inhalte die Menschen zu sehen bekommen, und kontrollieren damit die Distributionskanäle. Dadurch verlieren klassische Medien wie Zeitungen und Fernsehsender kontinuierlich an Reichweite und wichtigen Werbeeinnahmen. Im sogenannten Szenario "Big Tech Takeover" beherrschen die Tech-Giganten den Markt weitgehend, und traditionelle Medienunternehmen liefern dann vor allem noch Inhalte für deren Plattformen. Diese Entwicklung bedroht nachhaltig die Unabhängigkeit der Berichterstattung und die Vielfalt der Meinungen.

Methodik und Expertenbefragung

Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler zunächst 57 Studien und Berichte aus der internationalen Medienforschung. Daraus identifizierten sie 51 Entwicklungen, die für die Zukunft der Branche relevant sein könnten. Anschließend befragten sie 34 Fachleute aus verschiedenen Bereichen, darunter Vertreter von RTL, ARD und Netflix sowie Experten aus Wissenschaft, Werbung, Produktion und Medienpolitik. Diese sollten einschätzen, wie wahrscheinlich die einzelnen Entwicklungen sind und welche Folgen sie für die Medienbranche haben könnten. Aus diesen Einschätzungen entwickelten die Forscher vier Szenarien für die Zukunft. In einer weiteren Befragungsrunde schätzten 13 der Experten unabhängig voneinander, wie viele Journalisten es im Jahr 2035 noch geben könnte und wie sich Mediennutzung und Einnahmen verändern werden. Die Befragten kannten dabei die vier Szenarien noch nicht, um ihre Einschätzung nicht zu beeinflussen.

Empfehlungen für Politik und Medienwirtschaft

Die Studie wurde im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio erstellt und bei den Medientagen in München der Öffentlichkeit vorgestellt. Die beteiligten Forscher empfehlen dringend, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als stabilisierende Kraft der Branche langfristig und verlässlich zu finanzieren. Zudem sollten die verschiedenen Medienunternehmen stärker miteinander kooperieren und innovative neue Geschäftsmodelle entwickeln, um unabhängiger von Werbeeinnahmen zu werden. Entscheidend für die Zukunft sei auch, dass die Politik die großen Technologieplattformen stärker reguliert, um deren wachsende Macht effektiv zu begrenzen und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Nur durch diese umfassenden Maßnahmen könne die Medienvielfalt in Deutschland langfristig erhalten bleiben und die demokratische Funktion der Medien gesichert werden. Die Studie macht deutlich, dass die Zukunft der Medien nicht nur von technologischen Entwicklungen abhängt, sondern maßgeblich von politischen Entscheidungen und der Kooperationsbereitschaft der Branche geprägt wird.

Dieser Text greift Themen und Fakten aus einer Quelle auf und gibt sie in eigenen Worten wieder, angepasst an Sprachniveau C2.

Lizenz des Textes und des Quiz: CC BY-NC 4.0

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  1. 1. Wie viele Studien analysierten die Forscher als Grundlage ihrer Untersuchung?
  2. 2. Wie viele relevante Entwicklungen identifizierten sie daraus?
  3. 3. Welche Unternehmen wurden neben Wissenschaft und Werbung als Quelle für Experten genannt?
  4. 4. Warum kannten die 13 Experten in der zweiten Runde die vier Szenarien nicht?
  5. 5. Um wie viel Prozent könnte der Anteil der deutschen Medienangebote an der Mediennutzung zurückgehen?
  6. 6. Was soll die Politik nach Ansicht der Forscher tun?
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