Ukrainische Drohnen-Spezialisten in Mali?
Mögliche ukrainische Operationen in der Sahara
Nach einer Recherche des US-Senders CNN vom September 2026 sollen rund 15 ukrainische Drohnen-Spezialisten Tuareg-Rebellen im Norden Malis unterstützen. Die Rebellen gehören zur separatistischen Befreiungsfront von Azawad und kämpfen gegen die Militärregierung in Bamako. Ihr gemeinsamer Gegner ist die Militärregierung und deren russische Verbündete. Russland unterstützt diese Regierung seit den Militärputschen 2020 und 2021 mit dem Afrika-Korps. Bereits im Juli 2024 berichtete die DW über eine mögliche Beteiligung des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR an einem Hinterhalt auf russische Wagner-Kämpfer bei Tinzaouatène. Damals erklärten ukrainische Vertreter, die Rebellen hätten Informationen erhalten, bestritten aber eine direkte Beteiligung. Die Informationen über die aktuelle Unterstützung sind nicht unabhängig bestätigt. Der ukrainische Geheimdienst HUR wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
Strategische Überlegungen in Kiew
Die ukrainische Führung verfolgt offenbar das Ziel, Russland weltweit zu schwächen. Marta Oliynyk-D'omochko von der Kyiv Mohyla Academy betont, dass die Ukraine den russischen Einfluss zurückdrängen will. Dadurch sollen auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten Moskaus eingeschränkt werden. Oliynyk-D'omochko beschreibt das Verhältnis zu den Tuareg als Zweckgemeinschaft mit einem gemeinsamen Gegner. Kyrylo Budanow, Stabschef von Präsident Selenskyj, schrieb auf X, der ukrainische Geheimdienst schütze die Interessen des Landes weltweit – von Russland bis Afrika. Die russische Historikerin Irina Filatova hält ein Engagement für plausibel und begründet dies mit der Logik, dass Ukrainer russische Truppen überall als legitime Ziele betrachten. Ein solches Vorgehen könnte für Kiew eine kostengünstige Möglichkeit sein, russische Ressourcen zu binden und Moskaus Ruf als Sicherheitspartner zu beschädigen.
Risiken und internationale Reaktionen
Die Zusammenarbeit mit den Tuareg ist jedoch hochproblematisch. Die Befreiungsfront kooperiert mit der Dschihadistengruppe JNIM, die zum Al-Qaida-Netzwerk gehört. Während die Tuareg nach Unabhängigkeit streben, verfolgt die JNIM ein islamistisches Projekt. Eine Unterstützung der FLA könnte indirekt auch der JNIM nützen, wenn diese Zugang zu Wissen und Ausrüstung erhält. Nach dem Sturz Gaddafis kehrten bewaffnete Tuareg nach Mali zurück, und auch der heutige JNIM-Anführer Iyad Ag Ghaly war zunächst an der Rebellion beteiligt. Mali, Niger und Burkina Faso werfen der Ukraine vor, terroristische Gruppen zu unterstützen. Malis Außenminister erhob diese Vorwürfe im September bei den Vereinten Nationen. Die drei Länder haben ihre diplomatischen Beziehungen zu Kiew abgebrochen und ihre Partnerschaft mit Moskau vertieft, was dem ukrainischen Anspruch auf gleichberechtigte Partnerschaften widerspricht.