Biologische Grenzen der menschlichen Lebensspanne: Neue Erkenntnisse zu somatischen Mutationen
Bild: David Gems & João Pedro de Magalhães · Quelle · CC BY 4.0
Quelle, an Sprachniveau angepasst Wissenschaft

Biologische Grenzen der menschlichen Lebensspanne: Neue Erkenntnisse zu somatischen Mutationen

Die Suche nach der maximalen Lebensspanne

Die Frage, wie alt Menschen werden können, beschäftigt die Wissenschaft seit langem. Die Französin Jeanne Calment hält mit 122 Jahren den Rekord des höchsten erreichten Lebensalters. Doch selbst wenn alle altersbedingten Krankheiten geheilt werden könnten, gibt es biologische Grenzen. Eine aktuelle Studie des Skolkovo Institute of Science and Technology in Moskau zeigt: Zufällige Fehler in der DNA, sogenannte somatische Mutationen, begrenzen die menschliche Lebensspanne auf etwa 150 bis 200 Jahre.

Somatische Mutationen und ihre Auswirkungen

Somatische Mutationen entstehen durch Fehler bei der Zellteilung oder durch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung. Sie betreffen einzelne Körperzellen und werden nicht vererbt. Besonders problematisch sind diese Mutationen in Organen mit postmitotischen Zellen, die sich nicht oder nur selten teilen. Dazu gehören das Gehirn und das Herz. Kaputte Zellen können hier nicht ersetzt werden, was langfristig zu Funktionsverlusten führt. Die Studie zeigt: Durch den kontinuierlichen Verlust von Herzmuskelzellen sinkt die Lebensspanne auf etwa 208 Jahre, beim Gehirn auf rund 194 Jahre.

Theoretische Modelle und ihre Ergebnisse

Die Forscher erstellten ein mathematisches Modell, das eine fiktive Welt ohne biologisches Altern, aber mit normalen Lebensrisiken simuliert. In dieser Welt ergab sich eine durchschnittliche Lebensdauer von 1759 Jahren. Als somatische Mutationen hinzugefügt wurden, sank die Lebensspanne auf etwa 156 Jahre. Die Leber und das Atemwegsepithel erwiesen sich als erstaunlich robust. Die Leber konnte abgestorbene Zellen fast unbegrenzt ersetzen und blieb auch nach Zehntausenden von Jahren funktionsfähig.

Vergleich mit langlebigen Tieren

Einige Tiere leben deutlich länger als Menschen. Grönlandhaie werden über 400 Jahre alt, und Tiefseeschwämme existieren seit der Zeit der römischen Kaiser. Diese Tiere haben Mechanismen entwickelt, die somatische Mutationen besser kompensieren können. Die Studie unterstreicht, dass die menschliche Lebensspanne durch biologische Prozesse begrenzt ist, selbst wenn alle Krankheiten besiegt werden könnten.

Grenzen der Studie und offene Fragen

Die Studie hat methodische Grenzen. Sie berücksichtigt nur vier Organsysteme und lässt andere wichtige Alterungsprozesse wie Telomerverkürzung oder Störungen der Proteinsynthese außer Acht. Auch die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Alterungsprozessen wurden nicht vollständig erfasst. Die Autoren betonen, dass ihre Ergebnisse eine obere Grenze darstellen, aber keine realistische Prognose. Dennoch liefert die Studie wichtige Erkenntnisse über die Rolle somatischer Mutationen und zeigt, dass weitere Forschung notwendig ist, um die komplexen Mechanismen des Alterns vollständig zu verstehen.

Teilen:

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Wer hält den Rekord für das höchste erreichte Lebensalter?
  2. 2. Was sind somatische Mutationen?
  3. 3. Welche Organe sind besonders anfällig für somatische Mutationen?
  4. 4. Warum sind Gehirn und Herz besonders betroffen?
  5. 5. Was war das Ergebnis des Modells ohne biologisches Altern?
  6. 6. Welche Kritik gibt es an der Studie?

Weiterlesen

B2 Sprachniveau ändern C2