Die gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen und wie wir uns anpassen können
Rekordhitze in Europa: Eine neue Normalität?
Der Juni 2024 brachte in Europa extreme Hitzewellen mit sich. In Deutschland, Frankreich, Spanien und anderen Ländern wurden Rekordtemperaturen gemessen. Besonders besorgniserregend sind die sogenannten Tropennächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad fallen. Diese Bedingungen stellen eine enorme Belastung für den menschlichen Organismus dar, insbesondere für vulnerable Gruppen.
Anpassungsfähigkeit des Körpers: Grenzen und Möglichkeiten
Menschen aus heißeren Regionen sind besser an Hitze angepasst, erklärt die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann. Der Körper kann sich anpassen, aber dieser Prozess benötigt Zeit – nicht Jahre, sondern Jahrhunderte. Die aktuellen Hitzewellen überfordern jedoch selbst trainierte Körper. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, Schwangere, ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen und Menschen, die körperlich schwer oder im Freien arbeiten.
Physiologische Reaktionen auf Hitze
Ab 23 Grad Außentemperatur beginnt der Körper mit Ausgleichsmechanismen: Die Blutgefäße weiten sich, und das Schwitzen kühlt den Körper. Versagen diese Mechanismen, kann es zu schweren gesundheitlichen Folgen kommen – von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Multiorganversagen. Bei einer Körpertemperatur von über 42 Grad drohen irreversible Zellschäden und Tod. Auch die Lunge leidet unter Hitze, da heiße Luft Entzündungsprozesse fördert und die Anfälligkeit für Infektionen erhöht.
Präventive Maßnahmen und Verhaltensempfehlungen
Traidl-Hoffmann kritisiert, dass Hitze oft erst dann thematisiert wird, wenn sie bereits da ist. Sie empfiehlt, sich bereits im Winter auf die heißen Monate vorzubereiten. Dazu gehört, chronische Erkrankungen wie Allergien oder Neurodermitis rechtzeitig zu behandeln und mit dem Arzt über eine Anpassung der Medikamentendosis zu sprechen. Während einer Hitzewelle sollte man viel Wasser trinken, leichte, pflanzenbasierte Kost zu sich nehmen und auf Alkohol sowie Zigaretten verzichten. Ausreichend Schlaf ist essenziell, um den Hitzestress des Tages zu kompensieren.
Die Grenzen der Anpassung
Obwohl der menschliche Körper über Anpassungsmechanismen verfügt, stoßen diese bei extremen Hitzewellen an ihre Grenzen. Traidl-Hoffmann vergleicht die Belastbarkeit des Körpers mit einem Fass: Bei vulnerablen Personen läuft es schneller über. Selbst junge, sportliche Menschen haben eine begrenzte Toleranz. Die schnelle Zunahme von Hitzetagen überfordert nicht nur den Menschen, sondern auch Ökosysteme. Langfristige Lösungen sind notwendig, um die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zu bewältigen.