Wie SOS zum weltweiten Notruf wurde
Die Zeit vor dem einheitlichen Notruf
Vor dem 20. Jahrhundert gab es auf den Weltmeeren keinen einheitlichen Notruf für Schiffe in Seenot. Je nach Land und Reederei kamen verschiedene Signale zum Einsatz. Dazu gehörten Flaggen, Leuchtsignale, Raketen, Kanonenschüsse oder Nebelhörner. Mit der Einführung der drahtlosen Telegrafie wurden zwar Funknotrufe möglich. Diese ließen sich auch bei Nacht und Nebel über weite Strecken empfangen. Doch auch hier gab es zunächst keine einheitlichen Standards. Unterschiedliche Länder und Unternehmen verwendeten eigene Techniken und Codes. Das erschwerte die Koordination von Rettungsaktionen erheblich und gefährdete Menschenleben.
Die Berliner Konferenz und Artikel 16
Im Oktober 1906 lud die deutsche Regierung Vertreter von 27 Nationen in den Berliner Reichstag ein. Ziel war es, internationale Standards für die drahtlose Seefunktelegrafie festzulegen. Ein zentraler Konfliktpunkt war die Frage der Kooperation zwischen konkurrierenden Systemen. Der italienische Erfinder und spätere Nobelpreisträger Guglielmo Marconi hatte seinen Betreibern untersagt, mit Funkern anderer Unternehmen zu kommunizieren. Dadurch sahen sich deutsche Konkurrenten wie Telefunken benachteiligt. In Artikel 16 des Vertrags wurde beschlossen, dass alle Funkstellen Notrufe annehmen müssen. Diese Regel galt mit absolutem Vorrang vor allen anderen Nachrichten. Die Teilnehmer mussten die nötigen Rettungsschritte sofort einleiten. Diese Regelung sollte die Sicherheit auf den Meeren deutlich verbessern.
Vom Morsecode zum modernen GMDSS
Als internationales Notsignal wählten die Konferenzteilnehmer den Morsecode ...---... . Das sind drei kurze, drei lange und wieder drei kurze Zeichen. Der Code entsprach den Buchstaben S und O im Morse-Alphabet. Er ließ sich leicht senden und war auch bei schwierigen Bedingungen zuverlässig zu erkennen. Anders als oft angenommen steht SOS weder für »Save Our Souls« noch für »Save Our Ship«. Der Vertragstext nennt das Signal nie beim Namen, sondern nur als Punkte und Striche. Die Vereinbarung wurde am 3. November 1906 unterzeichnet und trat am 1. Juli 1908 in Kraft. Erst nach der Titanic-Katastrophe 1912 wurde SOS 1913 weltweit zur Pflicht. Heute sorgt seit 1999 das GMDSS für weltweite Sicherheit auf See.