Bernsteinfunde aus Myanmar zeigen uralte Tropenflora
Ein Wald im Harz
Vor rund 99 Millionen Jahren wuchs in Myanmar ein artenreicher Tropenwald. Baumharz schloss zarte Pflanzenteile ein und konservierte sie dreidimensional im Laufe der Zeit. Heute liegt dieses Harz als Bernstein vor. Forscher der Qingdao University of Science and Technology haben mehr als 3000 Pflanzenreste aus Kachin untersucht. Darunter befinden sich Blüten, Früchte, Blätter und Samen. Auch Farne und Nadelgewächse sind vertreten. Die Funde stammen aus der mittleren Kreidezeit, als Dinosaurier die Erde beherrschten.
Eine erstaunliche Vielfalt
Die Wissenschaftler konnten 392 unterschiedliche morphologische Formen von Blütenpflanzen unterscheiden. Zusätzlich fanden sie 152 Formen weiterer Pflanzengruppen. Diese Vielfalt zählt zu den reichhaltigsten bekannten Pflanzenfunden aus der frühen Kreidezeit. Die dreidimensionale Erhaltung macht viele Details der früheren Pflanzenwelt sichtbar. Morphotypen werden anhand erkennbarer Merkmale abgegrenzt. Sie entsprechen nicht zwangsläufig ebenso vielen biologischen Arten. Dennoch zeigt die Menge der Funde eine hohe Biodiversität.
Eine Insel auf Wanderschaft
Die Funde stützen die These, dass eine Urzeitinsel die Pflanzenwelt Südostasiens beeinflusste. Der sogenannte West-Burma-Block löste sich vor etwa 150 Millionen Jahren von Australien. Anschließend driftete er nach Norden. Während der Reise lag die Insel in niedrigen tropischen Breiten. Vor rund 50 Millionen Jahren stieß sie mit Südostasien zusammen. Dadurch gelangten Teile der alten Pflanzenwelt in die neue Region.