Afrikas Chance: Zollfreier Export nach China – Fluch oder Segen?
Eine neue Ära für afrikanische Exporte
Seit dem 1. Mai 2024 können 53 afrikanische Länder ihre Waren zollfrei nach China exportieren. Diese Regelung gilt für zwei Jahre und soll afrikanischen Produkten den Zugang zum chinesischen Markt erleichtern. Kenia hat bereits die ersten Avocado-Lieferungen nach China geschickt. Kaffee- und Teebauern in Kenia hoffen auf höhere Einnahmen, da ihre Produkte nun wettbewerbsfähiger sind. Doch nicht alle afrikanischen Länder profitieren gleichermaßen von dieser Regelung.
Handelsdefizit bleibt ein Problem
Trotz der neuen Regel bleibt das Handelsdefizit Afrikas gegenüber China ein großes Problem. Im Jahr 2025 erreichte der Handel zwischen China und Afrika einen Rekordwert von 348 Milliarden US-Dollar. Allerdings exportierte Afrika Waren im Wert von nur 123 Milliarden US-Dollar nach China, während es Produkte im Wert von 225 Milliarden US-Dollar aus China importierte. Das Handelsdefizit stieg auf 102 Milliarden US-Dollar an. Experten wie Adu Owusu Sarkodie von der University of Ghana betonen, dass Afrika mehr verarbeitete Produkte exportieren muss, um höhere Einnahmen zu erzielen.
Wer profitiert am meisten?
Kenia, Südafrika und Ghana gehören zu den größten Nutznießern der neuen Regelung. Kenia exportiert vor allem Tee, Kaffee, Schnittblumen und frische Erzeugnisse. Südafrika profitiert durch den Export von Rooibos-Tee und Metallen wie Gold und Platin. Ghana könnte besonders von der Verarbeitung von Kakaobohnen zu Schokolade profitieren, da verarbeitete Produkte höhere Einnahmen bringen. Für Binnenstaaten wie Mali und Niger ist die Regelung weniger vorteilhaft, da hohe Transportkosten die Zollersparnisse zunichtemachen.
Herausforderungen und Chancen
Afrikanische Exporteure müssen sich an chinesische Standards für Lebensmittelsicherheit und Pflanzengesundheit anpassen. Erick Rutto, Präsident der kenianischen Handelskammer, erklärt, dass Schulungen und Zertifizierungen notwendig sind, um den Marktzugang zu erleichtern. Zudem laufen viele Handelsrouten noch über Häfen in Dubai oder Singapur, was zusätzliche Kosten verursacht. Langfristig könnte die neue Regel jedoch dazu beitragen, die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Afrika und China zu vertiefen und afrikanischen Ländern helfen, ihre Volkswirtschaften zu industrialisieren.