Bären: Systematik und Lebensweise
Taxonomie und allgemeine Merkmale
Bären zählen zu den Säugetieren und bilden innerhalb der Raubtiere eine eigene Familie, die sich in die Unterfamilien der Großbären (Ursinae) und Kleinbären (Procyonidae) gliedert. Während umgangssprachlich meist die Großbären, auch als „Echte Bären" bezeichnet, gemeint sind, umfasst die Gruppe der Kleinbären deutlich kleinere Arten. In Mitteleuropa war historisch lediglich der Braunbär vertreten, während heute der Teddybär als kulturelles Phänomen weltweit verbreitet ist. Die Kleinbären erreichen eine Körperlänge von höchstens 67 Zentimetern und ein Gewicht von maximal zwölf Kilogramm, wobei einige Arten äußerlich eher an Marder erinnern. Ihr Fell ist meist braun oder grau, der Schwanz häufig geringelt, und an jedem Fuß tragen sie fünf Zehen mit kurzen, gebogenen Krallen. Die Kleinbären sind nachts oder in der Dämmerung aktiv und können gut klettern.
Anatomie und Fortpflanzung der Großbären
Die Großbären weisen einen massiven Körperbau mit großem Kopf, kurzen Extremitäten und kräftigem Rumpf auf. Charakteristisch sind die kleinen Augen, runden Ohren und die fünf mit Krallen bewehrten Zehen an jeder Pfote. Ihr Fell variiert meist zwischen Braun- und Schwarztönen. Ausnahmsweise erreichen Individuen ein Gewicht von bis zu 800 Kilogramm, was dem eines Kleinwagens nahekommt. Als strikte Einzelgänger begegnen sie Artgenossen ausschließlich zur Paarungszeit. Ein bemerkenswertes Phänomen stellt die verzögerte Einnistung dar: Die befruchtete Eizelle kann monatelang im Uterus der Mutter ruhen, bevor die eigentliche Schwangerschaft von etwas mehr als zwei Monaten beginnt. Die Jungtiere werden nach dieser kurzen Tragzeit geboren, saugen jedoch drei bis neun Monate und verbleiben fast zwei Jahre bei der Mutter, bis sie mit drei bis sechs Jahren geschlechtsreif werden.
Lebensweise und Ernährung
Großbären sind überwiegend nachtaktiv und verbringen den Tag in hohlen Baumstämmen oder Erdgruben. In Regionen mit ausgeprägtem Winter halten sie Winterruhe, während sie in den übrigen Jahreszeiten meist tagsüber schlafen. Ihre Ernährung ist ausgesprochen omnivor: Neben pflanzlicher Kost wie Beeren, Früchten und Grünzeug konsumieren sie Insekten, Larven, kleine Wirbeltiere, Nagetiere wie Mäuse sowie Fische. Gelegentlich erjagen sie auch größere Beutetiere bis zur Hirschgröße. Diese Ernährungsvielfalt ermöglicht es ihnen, in unterschiedlichen Habitaten zu überleben, wenngleich sie trockene Regionen meiden. Als Einzelgänger treffen sie sich ausschließlich zur Paarung und trennen sich anschließend wieder. In freier Wildbahn erreichen sie ein Alter von 20 bis 30 Jahren, während Individuen in menschlicher Obhut bis zu 50 Jahre alt werden können.
Verbreitung und Gefährdung
Die acht Arten der Großbären sind über weite Teile der Welt verbreitet. Der Braunbär, zu dem auch der nordamerikanische Grizzlybär zählt, kommt in Nordamerika, Europa und Asien vor. Der Eisbär bewohnt die arktischen Regionen und Grönland, während der Amerikanische Schwarzbär in Nordamerika heimisch ist und mit knapp einer Million Exemplaren noch relativ zahlreich vertreten ist. In Asien leben neben dem Großen Panda, der nur noch in wenigen chinesischen Bergregionen vorkommt, auch der Kragenbär, der Lippenbär und der Malaienbär. In Südamerika ist der Brillenbär beheimatet, der wie andere Arten zunehmend bedroht ist, da der Mensch ihm Lebensraum nimmt. Die Kleinbären sind ausschließlich in Amerika verbreitet und umfassen sechs Gattungen mit 14 Arten. Der Waschbär, ursprünglich von Kanada bis Panama beheimatet, hat sich durch Aussetzungen in verschiedenen Ländern ausgebreitet und gilt in Deutschland als Plage. Weitere Arten sind der Wickelbär, die Nasenbären und die Makibären, die nur in einem kleinen Gebiet Mittelamerikas leben.