Diplomatischer Erfolg in instabilem Umfeld: Freilassung europäischer Geiseln in Libyen nach 21 Monaten
Bild: Dan Lundberg · Quelle · CC BY-SA 2.0
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Diplomatischer Erfolg in instabilem Umfeld: Freilassung europäischer Geiseln in Libyen nach 21 Monaten

Diplomatischer Erfolg in instabilem Umfeld: Freilassung europäischer Geiseln in Libyen nach 21 Monaten

Die nach über anderthalb Jahren Gefangenschaft in der Gewalt islamistischer Terroristen befreiten europäischen Staatsbürgerinnen, eine 69-jährige Österreicherin und eine 76-jährige Schweizerin, befinden sich nach ihrer Übergabe an libysche Kräfte in der ostlibyschen Hafenstadt Bengasi in Freiheit. Beide Frauen, die seit vielen Jahren in der nigrischen Wüstenstadt Agadez ansässig waren und sich dort in der Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Infrastruktur engagiert hatten, waren im Januar beziehungsweise April 2025 aus ihren Wohnungen verschleppt worden. Agadez, nordöstlich der nigrischen Hauptstadt Niamey gelegen, galt aufgrund seiner geografischen Lage und der historischen Sicherheitslage lange Zeit als verhältnismäßig sicherer Standort für internationale Hilfsorganisationen, wenngleich die Sicherheitslage in der gesamten Region zuletzt eine dramatische Verschlechterung erfahren hat. Die zunehmende Präsenz bewaffneter Gruppen hat die Situation für ausländische Helfer erheblich verschärft. Das Außenministerium in Wien bestätigte zunächst ermutigende Informationen bezüglich des Schicksals der Österreicherin. Auch das Online-Portal Libyan News Observatory meldete die Freilassung. Die Medien berichteten ausführlich über den Vorfall.

Die Entführung und die Sahelzone

Die Entführung erfolgte nach Angaben von Sicherheitskreisen durch kriminelle Mittelsmänner, die die beiden Frauen anschließend im benachbarten Mali an Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat in der sogenannten Sahelzone übergaben. Diese Übergabe fand in einem Kontext statt, der von der zunehmenden Präsenz dschihadistischer Gruppierungen in der gesamten Region geprägt ist. Die Gefangenschaft dauerte insgesamt ein Jahr und neun Monate, also 21 Monate, an. Das Dreiländereck aus Mali, Burkina Faso und Niger hat sich aufgrund der massiven Ausbreitung islamistischer Terrornetzwerke und der damit einhergehenden Destabilisierung staatlicher Strukturen zu einer der gefährlichsten Regionen weltweit entwickelt. In diesem Gebiet operieren neben dem Islamischen Staat auch andere bewaffnete Gruppierungen, die die Souveränität der betroffenen Staaten nachhaltig bedrohen. Die Entführung von Ausländern zu Lösegeldzwecken stellt in dieser Region ein wiederkehrendes Phänomen dar. Die Sicherheitskräfte der betroffenen Länder sind mit der Lage überfordert. Die Region leidet unter chronischer Instabilität. Die internationale Gemeinschaft verurteilte die Tat.

Die Rolle der Haftar-Familie

Die Freilassung wurde durch das Eingreifen von Chalifa Haftar, dem de facto Machthaber im Osten Libyens und Befehlshaber der sogenannten Libyschen Nationalarmee (LNA), sowie dessen Sohn Saddam Haftar, dem stellvertretenden Oberbefehlshaber dieser paramilitärischen Streitkräfte, ermöglicht. Saddam Haftar handelte dabei auf ausdrückliche Bitte der Angehörigen der beiden Geiseln, was auf komplexe Verhandlungsstrukturen und informelle Kanäle zwischen den beteiligten Akteuren hindeutet. Libysche Spezialeinheiten sorgten für die militärische Absicherung des Transports der beiden Frauen von ihrem Aufenthaltsort nach Bengasi. In einem über den Sender Al-Masar TV verbreiteten Videoclip, der die körperlich gezeichneten, ausgemergelten Frauen zeigt, äußerten diese ihre tiefe Dankbarkeit gegenüber Haftar und dessen Sohn. Die Schweizerin gab zu Protokoll, sie sei ein Jahr und neun Monate lang festgehalten worden, während die Österreicherin ihre Erleichterung über die wiedererlangte Freiheit zum Ausdruck brachte. Beide dankten Marschall Haftar und seinem Sohn Saddam von ganzem Herzen. Die Freilassung gilt als diplomatischer Erfolg. Die Verhandlungen dauerten mehrere Monate.

Die politische Fragmentierung Libyens

Die formelle Übergabe der beiden Frauen an die zuständigen Behörden Österreichs und der Schweiz steht noch aus und wird nach Abschluss der erforderlichen bürokratischen Verfahren erfolgen. Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund der anhaltenden politischen Fragmentierung Libyens, die seit dem Sturz und der Ermordung des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 andauert. Das Land ist de facto in zwei Einflussbereiche gespalten: Während die international anerkannte und von den Vereinten Nationen legitimierte Regierung unter Ministerpräsident Abdulhamid Dbeibah ihren Sitz in der Hauptstadt Tripolis im Westen hat, kontrolliert Chalifa Haftar mit seinen ostlibyschen Streitkräften, der LNA, den gesamten Osten sowie weite Teile des Südens des Landes. Diese duale Machtstruktur, die von konkurrierenden Regierungen in Tripolis und Bengasi repräsentiert wird, erschwert nicht nur die innere Stabilität Libyens, sondern beeinträchtigt auch die Handlungsfähigkeit des Staates im internationalen Gefüge nachhaltig. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit großer Besorgnis. Die Freilassung wird als positiver Schritt gewertet. Die Familien der Frauen zeigten sich erleichtert. Die Behörden arbeiten an der Rückführung.

Dieser Text greift Themen und Fakten aus einer Quelle auf und gibt sie in eigenen Worten wieder, angepasst an Sprachniveau C2.

Lizenz des Textes und des Quiz: CC BY-NC 4.0

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Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. In welchem Jahr wurden die Frauen entführt?
  2. 2. Wer ist der stellvertretende Oberbefehlshaber der LNA?
  3. 3. In welchem Land liegt die Stadt Agadez?
  4. 4. Welche Terrororganisation hielt die Frauen gefangen?
  5. 5. Über welchen Sender wurde das Dank-Video verbreitet?
  6. 6. Wer regiert in Tripolis?
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