Illegaler Handel mit Kakteen: Ein Präzedenzfall in Italien
Die bedrohten Copiapoa-Kakteen
In der Atacama-Wüste in Chile wachsen die seltenen Copiapoa-Kakteen. Diese Pflanzen sind nicht nur besonders alt – einige Exemplare sind über 100 Jahre alt –, sondern auch stark bedroht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat viele Arten dieser Kakteen als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Der Hauptgrund für ihre Bedrohung ist der illegale Handel. Menschen stehlen die Kakteen, um sie in anderen Ländern zu verkaufen.
Ein spektakulärer Fall vor Gericht
Zwei italienische Händler, Andrea Piombetti und Fabio Crescentini, haben Hunderte Copiapoa-Kakteen aus Chile gestohlen und nach Europa geschmuggelt. Die italienischen Behörden haben sie erwischt, und die Männer wurden zu Geldstrafen und Bewährungsstrafen verurteilt. Doch der Fall wurde noch spektakulärer: Eine italienische Naturschutzorganisation, die Associazione per la Biodiversità e la sua Conservazione (ABC), klagte zusätzlich auf Schadensersatz. Sie argumentierte, dass der Diebstahl nicht nur der Natur schadet, sondern auch ihrer Arbeit.
Ein moralischer Schaden an der Natur
Das Gericht in Ancona gab der Organisation Recht und sprach ihr 20.000 Euro Schadensersatz zu. Damit erkannte das Gericht an, dass die Zerstörung bedrohter Pflanzenbestände einen zivilrechtlich relevanten Schaden darstellt. Dieser Fall ist ein Präzedenzfall, weil er zeigt, dass Naturschutzorganisationen für die Beeinträchtigung ihrer Arbeit entschädigt werden können. Die Diebe haben gegen das Urteil Berufung eingelegt, aber der Fall hat bereits jetzt eine wichtige Diskussion ausgelöst.
Warum sind die Kakteen so wichtig?
Die Copiapoa-Kakteen sind nicht nur selten, sondern auch ein wichtiger Teil des Ökosystems der Atacama-Wüste. Sie bieten Schutz und Nahrung für Tiere und helfen, das Mikroklima zu erhalten. Viele Kakteen wachsen extrem langsam und können nicht einfach ersetzt werden. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich, da steigende Temperaturen und weniger Nebel das Überleben der Kakteen erschweren. Der illegale Handel macht das Problem noch schlimmer.