Weltraumschrott: Wenn der Himmel auf die Erde fällt
Die wachsende Gefahr aus dem All
Seit dem Start des ersten Satelliten Sputnik im Jahr 1957 hat die menschliche Aktivität im Weltraum rasant zugenommen. Aktuell umrunden rund 10.000 Satelliten die Erde, doch in den kommenden Jahren sollen weitere 30.000 hinzukommen. Darüber hinaus schätzen Wissenschaftler, dass sich etwa eine Million Teile in der Erdumlaufbahn befinden, die größer als ein Zentimeter sind, sowie 330 Millionen Teilchen, die größer als ein Millimeter sind. Diese Überbleibsel von Raketen und Satelliten stellen eine zunehmende Gefahr dar, wenn sie unkontrolliert in die Erdatmosphäre eintreten und auf die Erdoberfläche fallen. Bisher gingen solche Begegnungen noch glimpflich aus, doch Experten warnen, dass dies nicht ewig so bleiben wird.
Dokumentierte Schäden auf der Erde
Es gibt bereits mehrere bekannte Fälle, in denen Weltraumschrott Sachschaden verursacht hat. 1969 traf ein Fragment einer sowjetischen Raumkapsel ein kleines japanisches Schiff in der Nähe der sibirischen Küste. 2003 durchschlug ein knapp ein Meter langes Metallteil des Spaceshuttles Columbia das Dach einer Zahnarztpraxis in Texas. Im Mai 2020 beschädigten Trümmerteile einer chinesischen Rakete mehrere Gebäude in der Elfenbeinküste. Im März 2024 traf ein rund zwei Kilogramm schwerer Befestigungspfosten eines Batteriepakets der ISS ein Haus in Florida, wobei er den 19-jährigen Sohn des Hausbesitzers nur knapp verfehlte. Im Mai 2024 fand ein kanadischer Landwirt ein zwei Meter großes, 40 Kilogramm schweres Metallteil auf seinem Acker, das vermutlich von einer SpaceX-Rakete stammte.
Fehlende rechtliche Regelungen
Obwohl Regierungen und Privatunternehmen das Problem seit Jahrzehnten diskutieren, existiert bis heute kein internationaler Vertrag, der die Menge an Weltraummüll wirksam begrenzt oder verbindliche Standards für die Entsorgung ausgedienter Satelliten vorschreibt. Pro Jahr treten derzeit 100 bis 150 Tonnen Weltraummüll in die Atmosphäre ein, wobei die meisten Teile verglühen, aber nicht alle vollständig. Ein Forschungsteam um Michael Byers bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass im kommenden Jahrzehnt jemand auf der Erde von Weltraumschrott getroffen wird, auf etwa zehn Prozent. Besonders brisant ist dabei, dass das Risiko in südlichen Ländern wie Indonesien, Bangladesch oder Mexiko deutlich höher ist als in den großen Raumfahrtnationen selbst.