Wuer Kaixi: Vom Studentenführer zum lebenslangen Kritiker Chinas
Die Proteste von 1989 und ihre Folgen
Im Frühjahr 1989 versammelten sich tausende Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Sie forderten mehr Demokratie, Freiheit und ein Ende der Korruption. Wuer Kaixi, ein junger Student uigurischer Herkunft, wurde zu einem der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung. Die chinesische Regierung reagierte mit Gewalt: In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1989 rollten Panzer in die Stadt, und Soldaten schossen auf unbewaffnete Demonstranten. Schätzungen zufolge starben bis zu 3000 Menschen.
Flucht und Leben im Exil
Wuer Kaixi stand auf Platz 2 der Fahndungsliste der chinesischen Regierung. Mit Hilfe von Aktivisten und dank der Unterstützung seines Vaters, der Offizier in der chinesischen Luftwaffe war, gelang ihm die Flucht aus China. Über Hongkong, Frankreich und die USA kam er schließlich nach Taiwan. Seit 37 Jahren lebt er im Exil und darf nicht in seine Heimat zurückkehren. Ihm drohen Verhaftung und eine hohe Gefängnisstrafe. Dennoch äußert er sich weiterhin kritisch über die chinesische Regierung.
Kritik an der chinesischen Führung
Wuer Kaixi warnt die internationale Gemeinschaft vor der chinesischen Regierung. Er bezeichnet sie als eine Bedrohung nicht nur für Dissidenten in China, sondern für die gesamte Zivilisation. Seiner Meinung nach ist die Kommunistische Partei Chinas keine ideologische oder nationalistische Bewegung, sondern eine kriminelle Vereinigung, die von Profitgier getrieben wird. Er kritisiert Länder, die aus wirtschaftlichen Interessen mit China Handel treiben, ohne die Menschenrechtsverletzungen zu beachten.
Wirtschaftliche Interessen und politische Risiken
Als Beispiel nennt Wuer Kaixi die Beteiligung des chinesischen Staatsunternehmens COSCO am Hamburger Hafen. Solche Investitionen, so warnt er, stärken nur die chinesische Führung und helfen ihr, ihre Macht auszubauen. Er fordert andere Länder auf, sich der Politik Chinas entgegenzustellen. Nur so könne verhindert werden, dass Peking weiter Druck auf andere Regierungen ausübt und schwächere Nachbarn unterdrückt.
Persönliche Tragödie
Wuer Kaixi hat einen hohen persönlichen Preis für seinen Aktivismus gezahlt. Mehrfach versuchte er, nach China zurückzukehren, um sich den Behörden zu stellen. Doch selbst das wurde ihm verwehrt. Besonders schmerzhaft war für ihn, dass er seinen Vater nicht mehr sehen konnte, bevor dieser starb. Seine Eltern durften China nicht verlassen, und so konnte er sich nicht von seinem Vater verabschieden. Heute hofft er, wenigstens seine Mutter eines Tages wieder in die Arme schließen zu können.