Quartalszahlen: Amazon zwischen Cloud-Boom und KI-Investitionen
Umsatzwachstum hinter den Erwartungen der Analysten
Amazon hat im dritten Quartal, das Ende September abgeschlossen wurde, den Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 201,9 Milliarden Dollar gesteigert und damit erneut zugelegt. Dennoch verfehlte das Unternehmen die Erwartungen von Marktbeobachtern, die mit einem stärkeren Zuwachs gerechnet hatten. Ausschlaggebend hierfür war der vorgezogene Prime Day, der aufgrund der FIFA-Fußballweltmeisterschaft im Juli in den meisten großen Ländern bereits ins zweite Quartal verlagert wurde. Infolgedessen fielen die Wachstumsraten im dritten Quartal entsprechend geringer aus als in den Vorquartalen. Der Online-Verkauf wuchs lediglich um zwei Prozent auf 68,5 Milliarden Dollar, obwohl Analysten zuvor 69,7 Milliarden Dollar erwartet hatten. Dies war deutlich weniger als im Vorjahr, als das Wachstum noch zehn Prozent betragen hatte. Auch die Werbeeinnahmen entwickelten sich mit einem Plus von elf Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar schwächer als prognostiziert, da die Börse zuvor 20,8 Milliarden Dollar vorausgesagt hatte. Die Umsätze in Nordamerika stiegen nur um sechs Prozent, international sogar nur um fünf Prozent, was die allgemeine Zurückhaltung im Handelsgeschäft widerspiegelt.
AWS als zentraler Wachstumstreiber des Konzerns
Die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) erwies sich hingegen als entscheidender Motor für das Gesamtergebnis des Konzerns. Der Umsatz von AWS stieg im dritten Quartal um 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar, was einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Auch im Vorjahresquartal hatte AWS das Wachstum bereits angetrieben. Der Betriebsgewinn erhöhte sich im Jahresvergleich sogar um 56 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar. Damit trieb AWS das Wachstum des gesamten Konzerns maßgeblich an, während die übrigen Segmente deutlich schwächer abschnitten. Der Betriebsgewinn des Handelsgeschäfts in Nordamerika stieg um 81 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar, international erhöhte er sich um 33 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Insgesamt stieg der Konzernbetriebsgewinn um 61,5 Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar, was die wachsende Bedeutung der Cloud-Sparte für die Profitabilität des Unternehmens unterstreicht. Dies zeigt die strategische Bedeutung des Cloud-Geschäfts für Amazon.
Massive Investitionen in KI-Infrastruktur belasten den Cashflow
Trotz der positiven Gewinnentwicklung investiert Amazon derzeit massiv in Künstliche Intelligenz und die dafür erforderliche Cloud-Infrastruktur. Allein in den letzten zwölf Monaten gab das Unternehmen 94,8 Milliarden Dollar mehr für die Anschaffung von Sachanlagen wie Immobilien und Ausrüstung aus als im Vorjahreszeitraum. Diese Ausgaben dienen vor allem dem Ausbau von Rechenzentren und Servern, um der steigenden Nachfrage nach KI-Kapazitäten gerecht zu werden. Dadurch fiel der freie Cashflow jedoch auf minus 42,4 Milliarden Dollar, nachdem er bereits im vergangenen Quartal auf minus 7,6 Milliarden Dollar gesunken war. Diese Entwicklung belastet die Bilanz des Unternehmens erheblich. Für das laufende Jahr hat sich Amazon vorgenommen, nicht mehr als 220 Milliarden Dollar für Investitionen auszugeben, was die Dimension der aktuellen Ausgaben verdeutlicht. Die Investitionen sind notwendig, um im Wettbewerb um KI-Dienstleistungen nicht zurückzufallen.
Rückläufiger Nettogewinn und skeptische Anleger
Unter dem Strich berichtet Amazon einen Rückgang des Nettogewinns von 21,2 Milliarden Dollar im gleichen Quartal des Vorjahres auf nun 20,7 Milliarden Dollar. Diesen Rückgang führt das Unternehmen auf im Vorjahr gebuchte Gewinne vor Steuern zurück, die aus Investitionen in die KI-Firma Anthropic resultierten. Für das vierte Quartal erwartet Amazon Umsätze zwischen 240 und 247 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von zwölf bis 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Die Börse hatte für das vierte Quartal mit 244,5 Milliarden Dollar Umsatz gerechnet. Der Betriebsgewinn soll dabei von 25 auf 28,5 bis 33,5 Milliarden Dollar steigen. Allein für AWS erwartet Amazon-Chef Andy Jassy Wachstumsraten von mehr als 40 Prozent, allerdings erst für die Jahre 2027 und 2028. Jassy erklärte zudem, es habe noch nie ein Unternehmen mit einem Umsatz von einer Billion Dollar gegeben, und in den nächsten fünf bis zehn Jahren könnten gleich zwei davon entstehen. Dennoch reagierten die Anleger skeptisch auf die Zahlen, und der Aktienkurs gab im nachbörslichen Handel an der Wall Street um rund acht Prozent nach.