Onkalo: Das weltweit erste Endlager für hochradioaktiven Abfall
Genehmigung und Ausbau
Finnland hat im Oktober 2026 den Betrieb des weltweit ersten Endlagers für abgebrannte Kernbrennstoffe genehmigt. Das Projekt Onkalo befindet sich auf der Insel Olkiluoto im Südwesten des Landes, in unmittelbarer Nähe zu einem der beiden finnischen Kernkraftwerke. Dort sollen in den kommenden Jahren rund 6500 Tonnen hochradioaktiver Abfall dauerhaft eingelagert werden. Das unterirdische Tunnelsystem erstreckt sich mehr als 400 Meter tief in den Fels und soll bis zur geplanten Verschließung in etwa 100 Jahren auf rund 40 Kilometer Länge ausgebaut werden.
Das Sicherheitskonzept
Die Betreibergesellschaft Posiva setzt auf das sogenannte KBS-3-Verfahren, das in den 1980er Jahren von einer schwedischen Firma entwickelt wurde. Dabei werden die verbrauchten Brennelemente in über 20 Tonnen schwere Kupferkanister eingeschlossen, die als Korrosionsschutz dienen. Anschließend werden die Kanister in vertikale Schächte platziert und die Tunnel mit Bentonit aufgefüllt, einer Tonerde, die bei Wasserkontakt aufquillt und so die Ausbreitung radioaktiver Stoffe verhindern soll. Das Gestein unter Olkiluoto ist etwa 1,8 Milliarden Jahre alt und liegt unterhalb der Permafrostgrenze früherer Eiszeiten.
Kritik und Kontroversen
Bei der Standortsuche wurden zunächst hunderte Orte untersucht, bis Ende der 1990er Jahre nur noch vier Gemeinden in Frage kamen. Schließlich entschied man sich für Eurajoki, da dort bereits Kernkraftwerke betrieben werden und die Bevölkerung mit der Nukleartechnologie vertraut ist. Diese Entscheidung wurde jedoch von Kritikern wie dem Umweltbiochemiker Jari Natunen angezweifelt, der von struktureller Korruption spricht, weil die Gemeinde wirtschaftlich stark von dem Projekt abhängt. Zudem bezweifeln schwedische NGOs die langfristige Stabilität der Kupferkanister und verweisen auf mögliche Korrosionsschäden über Zeiträume von 100.000 Jahren. Außerdem warnen Forscher, dass das in den Brennelementen enthaltene Plutonium für Waffenzwecke missbraucht werden könnte.