Diskussion um Massensterben
Die 75-Prozent-Schwelle
Viele Wissenschaftler sprechen von einem Massensterben, wenn 75 Prozent aller Arten innerhalb kurzer Zeit aussterben. Doch diese Schwelle ist unter Forschern umstritten. Die Autoren einer neuen Studie bemängeln, dass es keine einheitliche Definition für ein solches Ereignis gibt. In den vergangenen 500 Jahren sind 955 Arten ausgestorben oder nur noch außerhalb ihrer natürlichen Lebensräume zu finden. Das entspricht weniger als 0,1 Prozent aller beschriebenen Arten. Insgesamt gibt es etwa 2,157 Millionen bekannte Arten. Doch viele Tiere, besonders Insekten, sind noch nicht wissenschaftlich beschrieben worden.
Kritik an früheren Studien
Andere Forscher kritisieren frühere Hochrechnungen als zu extrem. Eine bekannte Untersuchung behauptet, bestimmte Wirbeltiere könnten innerhalb von 240 bis 540 Jahren drei Viertel ihrer Arten verlieren. Dafür müssten aber alle heute bedrohten Amphibien, Vögel und Säugetiere binnen 100 Jahren aussterben. Anschließend müssten auch bislang nicht bedrohte Arten über weitere Jahrhunderte so schnell verschwinden. Für diese fortgesetzten Verluste geben die Forscher jedoch keinen konkreten Mechanismus an. Andere Untersuchungen kommen je nach Annahmen zu Zeiträumen von Tausenden bis zu Millionen Jahren.
Geografische Unterschiede und Zukunft
Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der geografischen Verteilung der Aussterbefälle. Rund drei Viertel der dokumentierten Fälle betrafen Inselarten, obwohl auf Inseln nur etwa ein Fünftel aller Arten vorkommt. Dort haben eingeschleppte Tierarten besonders häufig zum Verschwinden einheimischer Arten beigetragen. Auf dem Festland können Lebensraumverlust und Klimaerwärmung die Entwicklung anders beeinflussen. Trotz der Kritik bleiben viele Arten stark bedroht. In der Literatur finden sich Zukunftsszenarien mit Verlusten von etwa 12 bis 40 Prozent, die bereits ökologisch katastrophal wären.