Wissenschaftlicher Streit um das sechste Massenaussterben
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Wissenschaft

Wissenschaftlicher Streit um das sechste Massenaussterben

Umstrittene Kriterien für Massenaussterben

Als häufig verwendete Orientierung für ein Massenaussterben gilt der Verlust von rund 75 Prozent aller Arten innerhalb geologisch kurzer Zeit. Allerdings ist diese Schwelle nicht für sämtliche historischen Ereignisse unumstritten. Die Autoren einer aktuellen Untersuchung bemängeln daher auch die fehlende einheitliche Definition, anhand derer sich die gegenwärtige Lage zuverlässig beurteilen ließe. Die von ihnen ausgewerteten Artenverzeichnisse erfassen 955 Arten, die in den vergangenen rund 500 Jahren ausgestorben sind oder nur noch außerhalb ihrer natürlichen Lebensräume überleben. Das entspricht bei rund 2,157 Millionen beschriebenen Arten weniger als 0,1 Prozent, wobei die Angaben auf Daten von 2024 beruhen und keine vollständige Bilanz aller tatsächlichen Verluste darstellen. Denn zahlreiche Arten sind wissenschaftlich noch nicht beschrieben oder wurden nie auf ihre Gefährdung untersucht, und manche könnten sogar verschwunden sein, bevor Forscher sie entdeckten.

Methodische Probleme früherer Prognosen

Besonders kritisch sehen die Forscher eine bekannte Hochrechnung, nach der bestimmte Wirbeltiergruppen innerhalb von 240 bis 540 Jahren drei Viertel ihrer Arten verlieren könnten. Dafür müssten alle heute bedrohten Amphibien, Vögel und Säugetiere binnen 100 Jahren aussterben, bevor die gleiche Aussterberate auch bei bislang nicht bedrohten Arten über weitere Jahrhunderte anhielte. Für diese fortgesetzten Verluste wird aber kein konkreter Mechanismus angegeben, bemängelt das Team. Andere Untersuchungen kommen je nach Annahmen zu Zeiträumen von Tausenden bis zu Millionen Jahren, ehe vergleichbare Schwellen erreicht würden. Die extremen Szenarien seien deshalb keine tragfähige Grundlage, um bereits heute von einem geologisch vergleichbaren Massenaussterben zu sprechen. Auch stark erhöhte Aussterberaten gelten nicht als ausreichender Nachweis, weshalb nach Ansicht der Autoren ein Vergleich allein keinen Nachweis für ein sechstes Massenaussterben liefert.

Räumliche Verzerrung und ökologische Realität

Ein weiterer Schwachpunkt liegt in der geografischen Verteilung der dokumentierten Aussterbefälle, denn rund drei Viertel der Fälle betrafen Inselarten, obwohl auf Inseln nur etwa ein Fünftel aller Arten vorkommt. Dort haben eingeschleppte Tierarten besonders häufig zum Verschwinden einheimischer Arten beigetragen. Auf dem Festland hingegen können Lebensraumverlust und Klimaerwärmung die künftige Entwicklung auf andere Weise beeinflussen. Einige vielzitierte Untersuchungen verglichen Ereignisse aus den letzten 100 bis 500 Jahren mit fossilen Hintergrundraten, die über Millionen Jahre gemittelt wurden. Diese Raten sind ohne Anpassung an die unterschiedlichen Beobachtungszeiträume nicht direkt vergleichbar. Dennoch bleibt der Artenschwund eine ernste Gefahr, denn in der ausgewerteten Literatur finden sich Zukunftsszenarien mit Verlusten in Größenordnungen von etwa zwölf bis 40 Prozent, die nach Ansicht der Autoren bereits ökologisch katastrophal wären. Weil diese Angaben aus verschiedenen Modellen und untersuchten Artengruppen stammen, ergeben sie allerdings keine einheitliche Weltprognose.

Dieser Text greift Themen und Fakten aus einer Quelle auf und gibt sie in eigenen Worten wieder, angepasst an Sprachniveau B2.

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Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Wie viele Arten sind in 500 Jahren ausgestorben?
  2. 2. Warum kritisieren Forscher die 75-Prozent-Schwelle?
  3. 3. Was bemängeln Forscher an früheren Prognosen?
  4. 4. Wo fanden die meisten Aussterbefälle statt?
  5. 5. Warum sind Vergleiche mit fossilen Raten problematisch?
  6. 6. Was warnen Forscher für die Zukunft?
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