Zwischen Teilhabe und Generalverdacht: Die Debatte um Smart Glasses
Die dunkle Seite der Technik
In der Debatte über Smart Glasses dominiert oft die Angst vor lückenloser Überwachung und Stalking. Viele Menschen fürchten, dass Träger der KI-Brillen andere heimlich filmen und fotografieren und die Aufnahmen ins Netz stellen. Tatsächlich ist der Missbrauch solcher Geräte ein ernstes Problem, denn auch mit Smartphones oder GoPros werden Menschen heimlich aufgenommen und die Bilder anschließend ins Internet gestellt. Derzeit stehen vor allem die Brillen im Fokus von Petitionen und Strafanzeigen. c't-Redakteur Nico Jurran, der sich seit Jahren mit der Entwicklung smarter Brillen beschäftigt, hält diese einseitige Fokussierung für zu kurz gedacht. Er berichtet, dass Menschen mit einer Brille auf der Nase aktuell unter Generalverdacht stehen und misstrauisch beäugt werden.
Ein Gamechanger für blinde Menschen
Positive Aspekte der KI-Brillen gehen in der öffentlichen Diskussion dagegen schnell unter. Karina Henseleit, eine Teilhabeberaterin, die von Geburt an blind ist, nutzt seit einigen Monaten eine smarte Brille und bezeichnet das Gerät als echten Gamechanger. Die Brille kann ihr zum Beispiel ihr eigenes Spiegelbild beschreiben und meldet ihr, wenn sie einen Fleck auf dem Pullover hat. Darüber hinaus unterstützt die Brille sie draußen bei der Orientierung, wenn sie mit passenden Apps verbunden wird. Besonders praktisch ist, dass sie die Brille freihändig nutzen kann, was ihr im Alltag viel Freiheit gibt. Henseleit ist enttäuscht, dass die neue Technik in der Öffentlichkeit eher verteufelt wird. In unserer alternden Gesellschaft könne jedoch jeder im Laufe seines Lebens in die Situation kommen, auf Hilfsmittel angewiesen zu sein.
Chancen und Risiken abwägen
Die Diskussion im c't uplink Podcast, moderiert von c't-Redakteurin Greta Friedrich, zeigt das komplexe Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken. Einerseits eröffnen KI-Brillen Menschen mit Sehbehinderung neue Möglichkeiten für mehr Teilhabe und Unabhängigkeit im Alltag. Andererseits bleibt das Risiko des Missbrauchs durch heimliche Aufnahmen bestehen. Karina Henseleit ist mittlerweile unsicher, wann sie die Brille aufsetzt und wann sie sie lieber lässt, weil Träger unter Verdacht geraten. Die Runde ist sich einig, dass der Missbrauch smarter Brillen ebenso wie der anderer Geräte bekämpft werden muss, ohne dabei die positiven Effekte für Betroffene aus den Augen zu verlieren. Weitere Details finden sich in der c't-Ausgabe 23/2026.